Er ist etwa 45 Jahre alt, von Beruf Beamter oder Facharbeiter. Er bringt seine Familie mit und bleibt ungefähr zwei Wochen, die er vorzugsweise zu Wanderungen nutzt. Das ist der Steckbrief des typischen deutschen Österreichurlaubers. Das Land zwischen Wien und Bregenz, dessen Betten er im vergangenen Jahr zu 80 Prozent ständig belegt hielt, ist nach wie vor des Bundesbürgers liebstes Ferienziel. Das freut die österreichischen Touristikplaner, die mit ihren saftigen Überschüssen stets zuverlässig dafür sorgen, daß das eklatante Handelsdefizit der Alpenrepublik mehr als ausgeglichen wird.

Was ihnen hingegen Sorgen bereitet, ist die Tatsache, daß der beschriebene Statistikgast ständig älter wird. Und – schlimmer noch: Auch seine Kinder werden älter, verlieren den Spaß an Waldspaziergängen und überlassen lustlos den Eltern das Ferienfeld, um sich anderen Urlaubszielen zuzuwenden.

„Unser Image ist dringend änderungsbedürftig“, hat man im Wiener Hauptquartier der österreichischen Fremdenverkehrswerbung (ÖFVW) erkannt. „Wir werden als innerdeutsches Land angesehen, Urlaub zu Hause sozusagen, preisgünstig, freundlich, liebenswert und nett.“

Da „nett“ zum Anreiz neuer, jüngerer Zielgruppen nicht genügt und „preisgünstig“ infolge Inflation und hoher Steuern längst nicht mehr stimmt, arbeiten ÖFVW-Geschäftsführer Dr. Helmut Zolles und sein Team seit langem an einer Korrektur des Klischees.

Was dabei herauskam, war indes zunächst nichts anderes als ein neues Klischee: „Aktiv“ will man sich geben und „Schwung haben“. Sightseeing und Städtereisen sollen propagiert werden. Einfallsreicher ist das vielfältige Programm für Hobbyferien aller Art, das – auch im Inland – so gut ankam, daß es zum Teil bis 1977 ausgebucht ist.

Schließlich hatte man die Idee, das Prestige der Wiener Kunstszene vor den touristischen Karren zu spannen. Geplant, getan. Man engagierte den – übrigens in Paris lebenden – Avantgardisten Leherb, Der entwarf eine Reihe von Posters und ging damit per Sonderzug auf Gastspielreise durch deutsche Lande. Sein bekanntestes Werk: Mozart auf dem Motorrad. Auch André Heller, daheim nicht nur geliebter Zyniker, wurde auf Auslandsbühnen geschickt, um mit seinen Spottversen Imagekorrektur zu betreiben. Und siehe da: Dialekt und Dialektik kamen in Deutschland recht gut an. Etliche andere Künstler haben sich derweil an den Boom angehängt.

Um die Gunst der Stunde zu nutzen, mußten flankierende Maßnahmen folgen, wenn nicht nur die Kassen der Konzertveranstalter und Plattenfirmen, sondern auch die der Hoteliers und Pensionswirte des Alpenstaates klingeln sollten.