Dreimal in seiner über 90jährigen Geschichte hat der Dow Jones, beliebtester Index der amerikanischen Aktienbörse, die Marke tausend gestreift, nämlich Ende 1966, Anfang 1973 und am 11. März 1976. Das Gastspiel auf der „Höhe tausend“ war bisher immer nur von kurzer Dauer. Danach folgte stets eine längere Börsenschwäche. Wird es auch diesmal wieder so sein? Ist der Rückgang des Dow Jones von 1003,31 auf inzwischen 974,50 bereits der Beginn einer neuen Talfahrt?

Die meisten amerikanischen Broker verneinen diese Fragen leidenschaftlich. Nach einigen bitteren Jahren wittern sie Morgenluft. Die Rekordumsätze an den amerikanischen Börsen lassen ihre Kassen klingeln. Eine verfrühte Baisse würde die gerade wieder unternehmungslustig gewordene Kundschaft verprellen, vor allem die aus dem Ausland.

Tatsächlich spricht vieles dafür, daß die Hausse in den USA ihr Ende noch nicht erreicht hat. Ob der Dow Jones diesmal erst bei 1200 zum Stehen kommen wird, wie unentwegte Optimisten behaupten, wird niemand garantieren wollen. Aber unmöglich, meine verehrten Leser, ist das nicht.

Allerdings stellt sich die Frage, ob noch genügend Mittel vorhanden sind, die Kurse durch entsprechende Käufe nach oben zu bringen. Ein großer Teil der gegenwärtigen Wallstreet-Hausse geht auf das Konto ausländischer Investoren. Wer international sein. Geld anlegt, findet nur noch wenige einigermaßen erfolgversprechende Möglichkeiten. Dazu gehören mit Sicherheit amerikanische Aktien. Das Dollar-Risiko, das lange Zeit deutsche und Schweizer Interessenten abgeschreckt hat, ist inzwischen verschwunden. Der Dollarkurs hat sich stabilisiert, tendenziell sollte er sich eher befestigen als abschwächen. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, daß auch weiterhin Geld aus dem Ausland auf den amerikanischen Aktienmarkt fließen wird.

Und was machen die Amerikaner selbst? Ein großer Teil steht der Entwicklung noch mißtrauisch gegenüber. Das trifft vor allem für die Investmentsparer zu. Die Fonds leiden darunter, daß immer noch mehr Anteile zurückgegeben als verkauft werden. 431 Fonds verwalten in den USA ein Vermögen von 86 Milliarden Mark, pro Kopf der Bevölkerung sind das 405 Mark. Zum Vergleich: In der Bundesrepublik gibt es 105 Fonds mit einem Vermögen von 11 Milliarden Mark, pro Kopf der Bevölkerung macht das 191 Mark aus. Allerdings hinkt der Vergleich, weil die amerikanischen Fonds auf einen relativ hohen Anteil ausländischer Kunden bauen können. Bei den deutschen Fonds ist er ungleich geringer.

Das amerikanische Publikum mied bislang nicht nur die Fonds, sondern auch Direktanlagen in Aktien. In den letzten Jahren fühlten sich die Sparer in hochverzinslichen Spareinlagen wohl: Außerdem kauften sie die hochrentierlichen Staatsanleihen. Eine ähnliche Entwicklung wie bei uns ...

Inzwischen hat die amtliche Geldpolitik aber für Zinssenkungen gesorgt, so daß die Amerikaner nach besseren Anlagen als Sparguthaben Ausschau halten müssen. Hier bieten sich nunmehr die Aktien an. Es ist aber zu bezweifeln, daß alle fünf Millionen Amerikaner, die in den letzten fünf Jahren der Börse den Rücken gekehrt haben, wieder in die Aktien zurückfinden werden. Aber die Hälfte würde genügen, um den Auftrieb der Kurse für längere Zeit zu sichern.