Spekulationen über einen neuen Großaktionär bei dem weiß-blauen Autounternehmen BMW

Ohne ihn wäre das weiß-blaue Autounter – nehmen aus der Existenzkrise der Jahre 1959/60 nie zu neuem Glanz aufgestiegen. Herbert Quandt, der schweigsame Industrielle aus Bad Homburg, hat auf die Bayerischen Motorenwerke AG schon zu einer Zeit gesetzt, als ein finanzielles Engagement bei ihr abenteuerlich erscheinen mußte, und seinen Einsatz Jahr um Jahr erhöht. Dieser unbeirrbare Eigensinn zahlte sich aus: BMW ist nach einer kurzen Bremsphase im Jahr 1974 inzwischen wieder auf der Straße des Erfolgs.

Gerade diese Erfolge aber werfen die Frage auf, ob der 65jährige Herbert Quandt, dessen Beteiligung bei BMW von annähernd 70 Prozent nach den heutigen Börsenkursen einen Wert von fast 1,2 Milliarden Mark repräsentiert, das Verhältnis zu seinem Münchner Lieblingskind nicht modifizieren muß. Schon bisher ist es ihm nämlich nicht leicht gefallen, den Kapitalhunger der expansiven Autobauer zu befriedigen, zumal da es innerhalb der Quandt-Gruppe in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Problemen gab.

Der Großaktionär konnte bei den letzten BMW-Kapitalerhöhungen nur mitziehen und seinen Anteil halten, weil niedrige Aufpreise für die jungen Aktien festgelegt wurden – was dem BMW-Management angesichts der respektablen Börsenkurse stets ein großes Opfer abverlangte. Andererseits hatte Quandt immer Mittel genug, um BMW-Aktien zuzukaufen, wie beispielsweise die zehn Prozent, die er – rechtzeitig vor deren Zusammenbruch – von der Herstatt-Bank erwarb.

Als ihm kürzlich weitere vier Prozent offeriert wurden, schlug er jedoch das Angebot aus. Beobachter schließen daraus, daß er sich mit seiner Beteiligung 75 Prozent des Kapitals so weit genähert hat, daß er sich einen Paketzuschlag für Zukaufe sparen kann. Hat Quandt aber fast drei Viertel des BMW-Kapitals von derzeit 300 Millionen Mark in Händen, könnte er zu einem günstigen Zeitpunkt eine „Schachtel“ von 25 Prozent an einen Interessenten verkaufen und dennoch die Majorität behalten. Den üppigen Veräußerungsgewinn (nach 26 Prozent Steuern) könnte er sogar mit BMW „teilen“, das heißt, bei der nächsten Kapitalaufstockung der Bayerischen Motorenwerke AG ein angemessenes Agio verkraften.

Solche Planspiele, die vermutlich auch von den BMW-Finanzstrategen im „Vierzylinder“-Hochhaus in München-Milbertshofen angestellt werden, will allerdings im Günther-Quandt-Haus in Bad Homburg niemand bestätigen. Quandt-Manager Eberhard von Heusinger, der bayerischen Tochterfirma seit langem eng verbunden, versichert, solch eine Transaktion sei gegenwärtig „ganz aus der Welt“. Und: „Es gibt absolut keinen Zwang dazu.“

Tatsächlich gelten die Investitionen des Münchner Unternehmens von rund 260 Millionen Mark in diesem Jahr bereits heute als voll finanziert. Aus dem Ergebnis des voraussichtlich sehr guten Jahres 1976 wird man einen erheblichen Betrag in die Rücklagen (in der Bilanz 1974 rund 285 Millionen Mark) einstellen können. Und falls BMW bereits die Möglichkeit nutzt, die Pensionsrückstellungen nach der neuen Teilwertmethode aufzufüllen, ließen sich ohne jeden Steueraufwand 50 bis 80 Millionen Mark Quasi-Eigenkapital bilden.