Frankreich entdeckt den eurocheque. Doch die staatlichen Großbanken sperren sich gegen unerwünschte Konkurrenz.

Zwischen den französischen Banken droht ein erbitterter Kleinkrieg auszubrechen. Die Ursache: Zwei Volksbanken führen demnächst für ihre sechs Millionen Kunden den eurocheque ein, der den Franzosen bisher unbekannte Vorteile eröffnet. Da den traditionellen Kreditanstalten dieser Service noch zu teuer scheint, wird ein hartes Gerangel um die Gunst der Kunden erwartet.

Bisher gehen die meisten Franzosen mit der „Carte bleue“ einkaufen. Doch sie wird nicht von allen Geschäften anerkannt und hat im Ausland so gut wie keinen Wert. Wer bei einer anderen als der eigenen Bank Geld abheben will, kann zudem die Summe von 1500 Franc pro Woche nicht überschreiten.

Mit Staunen vernehmen die Franzosen jetzt, daß diese Grenzen beim eurocheque nicht gelten. Er wird in Frankreich bis zu 500 Franc je Scheck garantiert, nichts hindert den Kontoinhaber daran, mehrere Schecks mit der Höchstsumme gleichzeitig in Zahlung zu geben.

Völlig ungewohnt ist es zudem, daß man plötzlich in 37 Ländern Devisen auf einen französischen Scheck bekommen soll, zudem in sieben europäischen Nachbarstaaten auf diese Weise bargeldlos einkaufen kann.

„Der eurocheque revolutioniert die Banken“, schrieb begeistert das „Journal du Dimanche“. Die Revolution hat für den Kunden nur einen gravierenden Nachteil: Sie kostet ihn die Kleinigkeit von 50 Franc im Jahr, was allerdings im Vergleich zu anderen Kreditkarten noch vorteilhaft scheint.

Französische Bankiers rechnen jedenfalls damit, daß bis zum Ende des Jahres 500 000 ihrer Landsleute per eurocheque einkaufen werden. Die staatlichen Großbanken, ohnehin nicht die aufgeschlossensten unter den Kreditinstituten, werden sich dann wohl oder übel den Volksbanken anschließen müssen.