Italiens Sozialdemokraten, bislang mehr in der bürgerlichen Mitte, haben eine geradezu verzweifelte Flucht nach links angetreten.

Wo Ohnmacht allenthalben um sich greift, wird selbst geringste Kraft zum Ereignis halber Stärke. Der Stimmenanteil der Sozialdemokraten war seit ihrer Lostrennung von den Sozialisten vor sieben Jahren auf kaum sechs Prozent geschrumpft. Auf dem Parteikongreß in Florenz Anfang der Woche erklärte sich ihr Parteichef Tanassi bereit, „die Rolle des Sündenbocks zum Wohle der Partei zu übernehmen“, obschon diese ihn bis dahin fast einstimmig zum Rechtskurs ermuntert hatte.

Von mehr als der Hälfte der Delegierten buchstäblich nieder- und zurückgepfiffen, trat Tanassi die Parteiführung an Giuseppe Saragat ab. Wird aber die Vaterfigur des 78jährigen ehemaliger Staatspräsidenten die Partei vor den Verfall noch retten? Wer sich in Italien dem allgemeinen Linkstrend anschließe! will, fühlt sich, falls er die Kommunisten noch nicht für vertrauenswürdig hält längst bei den Sozialisten aufgehoben oder demnächst sogar bei den Christdemokraten, falls diese auf ihrem Parteitag, der diesen Donnerstag begann, eine neue „rötliche“ Mehrheit (mit Sozialisten. Kommunisten oder beiden) ansteuern sollten.

In jedem Falle – selbst nach Neuwahlen – errechnen sich die Sozialdemokraten, daß sie mit ihren wenigen Prozenten eine relative in eine absolute Mehrheit verwandeln könnten. Doch wenn sich die Rolle einer kleinen Partei auf die des Züngleins an der Waage reduziert, kann es geschehen, daß sie auch von ihren letzten Wählern gewogen und zu leicht befunden wird.