Die Freunde waren fußfaul und skeptisch, aber sie schwärmten vom „Whiskydunst im Haar und der Krume schottischer Hochebenen an den Sohlen“. Ich selbst hatte mir meine Wanderung ungefähr so vorgestellt: Schloßhotel, bemühte Kellner, allwissender Portier, Tips und Tricks versprühender Manager. Dann einige Tage in die Berge verschwinden, immer das komfortable Ziel, das auch Start zu sein hätte, vor Augen,

Schloßhotels gibt es in Schottland genug, sie liegen ausnahmslos in schöner Umgebung. Aber je mehr ich besichtigte, desto wählerischer wurde ich: Spaziergängergegend war zwar meinem Können angemessen aber nicht meinem Anspruch, ich suchte exemplarisches Wanderland. Als ich es endlich, ohne Schloßhotel natürlich, gefunden hatte, mußte ich an die Whisky-Vision meiner Freunde denken. Am vierten Tag meiner Wanderung nämlich hätte ich einen Schluck dabei haben sollen.

Tage mit Sonne und Wind, mit Bergen ringsum und dem Meer immer in Sichtweite, mit dem Duft von Tang und Seewasser in der Nase und dem Gekreisch der Möwen im Ohr, lagen hinter mir.

Jetzt wollte ich von Kinlochhourn übers Land nach Shiel Bridge, meinem Ausgangspunkt, zurück. Bei schönem Wetter ist das ein angenehmer Weg von neun Meilen oder rund drei Stunden; der Höhenunterschied beträgt nicht mehr als 350 Meter.

Aber es hatte die ganze Nacht geregnet, und die Leute im Tal warnten mich vor dem Nebel, der hier häufig auftritt. Ein paar helle Flecken in der Wetterecke waren schuld daran, daß ich mich dennoch zum Wandern entschloß – und ein Autostopp-Angebot großspurig ausschlug. Sollte es Nebel geben, wollte ich umkehren.

Er kam, als ich den ersten Grat erstiegen und schon ein Drittel des Wegs geschafft hatte. Die Aussicht, wieder zurücklaufen zu müssen, war wenig verlockend, das wäre mir wie eine Kapitulation vorgekommen. Da es wieder angefangen hatte zu regnen, war ich ohnehin von Kopf bis Fuß naß.

Der Nebel wälzte sich wuchtig über den Kamm: kein Schleier mehr, eher ein alles zuceckendes Federbett. Als der Wind es ein wenig nach oben blies, faßte ich Mut. Einheimische hatten mir geraten, an jener Stelle nicht ins Tal hinunterzugehen, sondern den Höhenlinien zu folgen, um Zeit und Kraft zu sparen. Ich befolgte den Hinweis (der sich, natürlich, an versiertere Wanderer richtete als mich). Der Fehler rächte sich: Ich kam vom Weg ab.