Warum Paris die Abwertung des Franc nicht verhindern konnte

Von Klaus-Peter Schmid

Vor ein paar Wochen machte Wirtschafts- und Finanzminister Jean-Pierre Fourcade noch Scherze: „Abwertung? Das Wort kenne ich nicht!“ Doch mit den üblichen Dementis ließ sich das vertraute Gespenst auch diesmal nicht bannen. Nach zwei heftigen Spekulationswellen innerhalb von zehn Wochen mußte Fourcade das Handtuch werfen. In Brüssel verkündete er am Montag zu nachtschlafender Zeit, der Kurs des Franc sei ab sofort freigegeben – in Richtung Abwertung.

Schon im Februar hatte die Bank von Frankreich über vier Milliarden Franc eingesetzt, um den Kurs der französischen Währung an der amtlichen Untergrenze festzuhalten. Das kategorische Nein von Bundeskanzler Schmidt und Staatspräsident Giscard d’Estaing zu jeder Änderung der Wechselkurse brachte die Spekulanten zur Räson. Doch nur für kurze Zeit; denn in den letzten vierzehn Tagen mußte die Pariser Notenbank erneut ihre Devisenreserven plündern, um den Franc vor dem freien Fall zu bewahren.

Zuflucht zu Scheinlösungen

Das neuerliche Unheil kam indes nicht überraschend. Der spektakuläre Abstieg des britischen Pfundes und der italienischen Lira sowie ein Wahlsieg der französischen Linken genügten, um auch den Franc in einen neuen Abwertungsstrudel zu ziehen. Denn Spekulanten wissen, daß eine Währung nicht stärker sein kann als die dahin-, terstehende Wirtschaft. Und Frankreichs Wirtschaft zeigt deutliche Schwächen: Der Außenhandel ist im Defizit, die Inflationsrate ist zu hoch, die Löhne klettern zu schnell, die Streiklust wächst.

Nüchtern stellen Industrielle aller Branchen heute fest, daß sie mit der internationalen Konkurrenz häufig nicht mithalten können. So klagte das Magazin „L’Expansion“: „Bei großen Aufträgen liegt die Differenz zwischen den französischen Angeboten und den deutschen, japanischen oder amerikanischen Angeboten häufig bei fünfzehn bis zwanzig Prozent.“ Der Unternehmerverband CNPF sprach in seinem jüngsten Konjunkturbericht gar von einem „Verfall der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft“.