Wer trainiert die Trainer?

Von August Kirsch

Zwei junge Sportwissenschaftler aus Heidelberg berichteten kürzlich in der Zeitschrift „Leistungssport“ über eine Befragung, die sie bei 80 Leichtathletik-Trainern der unteren und mittleren Leistungsebene vorgenommen hatten. 95,7 Prozent der 69 antwortenden Trainer fühlten sich „von der Sportwissenschaft vernachlässigt“. Ein solches Ergebnis muß zwangsläufig zu der Frage führen, ob zwischen der sportwissenschaftlichen Forschung in der Bundesrepublik und dem Umsetzen ihrer Ergebnisse in die sportliche Praxis große Lücken klaffen. Erklären sich daraus, trotz einiger erfreulicher Erfolge wie zum Beispiel in Innsbruck bei den Olympischen Spielen, Stagnation und sogar Rückschläge in vielen Sportarten?

Diese Problematik und einige andere Überlegungen waren für den Sportausschuß des Deutschen Bundestages in dieser Woche der Anlaß, eine öffentliche Informationssitzung zum „Stand der Sportwissenschaft und der Sportmedizin in der Bundesrepublik Deutschland“ durchzuführen.

Die Bedeutung für die Sportpraxis

Zu den drei Themen Sportwissenschaft allgemein, Sportmedizin und Ausbildung von Sportlehrern kamen zwölf Sportwissenschaftler zu Wort, die neben ihren wissenschaftlichen Positionen und Institutionen auch die Organisationen vertraten, die auf dem Gebiet der Sportwissenschaft in der Bundesrepublik tätig sind: der Deutsche Sportbund mit seinen Organen und Anschlußverbänden, hier im besonderen der Deutsche Sportärztebund, der Deutsche Sportlehrer-Verband, dann die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie das 1970 gegründete Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

Die Sportwissenschaft ist eine junge akademische Disziplin. Trotz der durch Willi Daume und den Deutschen Sportbund seit den fünfziger Jahren immer wieder erhobenen Forderungen auf Einrichtung von Lehrstühlen an den Universitäten gibt es erst seit 1965 erste Lehrstühle an der Deutschen Sporthochschule Köln. 1967 folgten einige Universitäten mit Lehrstühlen für die „Theorie der Leibeserziehung“. Köln wurde dann 1970 volle wissenschaftliche Hochschule mit Promotions- und Habilitationsrecht. Die meisten der zur Zeit 29 sportwissenschaftlichen Institute an den Universitäten haben diese Rechte heute noch nicht.