Ich bin achtzehn. Schüler an einem bundesdeutschen Gymnasium – humanistischer Zweig. Ich mache mein Abi, besser: ich stehe kurz davor. Knapp mehr als zwei Monate sind es noch, bis die „schriftliche Reifeprüfung“ eingeläutet wird, zehn Wochen, die länger werden als die vergangene, immerhin dreizehnjährige Schulzeit. Ich hab’s satt, mir steht’s bis oben.

Dabei könnte ich mir – mittlerweile erwachsen und verständig geworden – eine Schule vorstellen, die Spaß macht. Mehr zu wissen, mehr zu verstehen, mehr zu können, das ist doch eigentlich etwas sehr Positives, etwas Gewinnbringendes für mich. Nach den Pubertätsquerelen wäre es jetzt möglich, in der Klassengemeinschaft Partnerschaftlichkeit und Vertrauen zu erfahren. Vielleicht noch mehr: Den Klassenkameraden als Persönlichkeit zu sehen, mit dem zu sprechen wertvoll ist. Was könnte es schön sein, den Lehrer da vorne am Pult zu erleben als Mehr-Wisser, als verständigen Informanten, als geduldigen Erklärer und Vermittler schwieriger Sachverhalte.

Aber wie sieht’s aus? Der Numerus clausus ist kein anonymes Gespenst, sondern sehr harte und unmittelbare Realität in den Klassenzimmern. Es ist direkt verwunderlich – einsames Zeichen aufopfernder Menschlichkeit –, daß es noch Mitschüler gibt, die einem Unwissenden manchmal etwas erklären, obwohl sie damit ihre eigenen Chancen verschlechtern. Aber „hintenrum“ wird ganz schön viel gemunkelt und geschaukelt. Und Tests – unangekündigte Oberprüfung der Hausaufgaben – werden jetzt auch auf den Tisch des Hauses geknallt. Na ja, die Lehrer werden halt auch gebeutelt von den komischen Bestimmungen aus dem Ministerium. Von wegen objektiver Leistungsmessung!

Was bin ich froh, wenn’s geschafft ist. Wenn das Notengerangel aufhört. Ich nicht mehr von einem Tag auf den anderen auswendig pauken muß, um mir – den NC im Nacken – halt den Durchschnitt zu retten. Dabei ist es grundsätzlich egal, was ich in mich hineinschlinge – und am Tag nach dem Test ist es auch wieder vergessen. Was bin ich froh, wenn sich „nach der Schule“ dann eine ganz neue Welt auftut. Eine Welt, in der Menschen auch anders als durch Leistungszwänge zu motivieren sind. In der Leben noch ein bißchen Spaß macht.

Grinst da jemand? Peter Frey, 18 Jahre