Von Margrit Gerste

Boston, im März

Im Rennen um das amerikanische Präsident-

schaftsamt versucht, zwischen Ford, Reagan, Carter, Jackson auch eine Frau mitzuhalten. Es ist Ellen McCormack, eine 49jährige Hausfrau. Ihre Stärke: Sie hat nur ein Wahlkampfthema: Kampf gegen die Abtreibung. Ihre Sache ist die der "pro-lifers", die dafür kämpfen, daß das liberale Abtreibungsurteil des Obersten Gerichts (Schwangerschaftsunterbrechungen in den ersten drei Monaten bleiben straffrei) annulliert wird und daß die Verfassung ergänzt wird um den Zusatz, welcher das Recht auf Leben des ungeborenen Kindes schützt.

Ellen McCormack, Hausfrau aus Long Island, ist seit 26 Jahren mit einem New Yorker Polizisten verheiratet, Mutter von vier Kindern und überzeugte Katholikin. Die einstige Sekretärin hat noch niemals für ein politisches Amt kandidiert, ist aber seit Jahren aktiv in der pro-life-Bewegung, die auch Wahlkampfspenden für sie sammelt. Mit Erfolg: In über 20 Bundesstaaten sind rund 150 000 Dollar zusammengekommen, was Ellen McCormack für 100 000 Dollar Wahlkampfhilfe aus Bundesmitteln qualifiziert. Ihre Kritiker sind darüber empört, basiert ihre Kandidatur doch schließlich nur auf einem einzigen Thema; sie ist somit keine ernsthafte Bewerberin. Doch der politische Höhenflug bringt ihr und den pro-lifern viel Publizität.

1973 hatte das Oberste Gericht entschieden: In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft entscheiden allein die Frau und ihr Arzt über eine Abtreibung. Für das zweite Drittel kann ein Bundesstaat Regeln erlassen, aber nur zum Schutze der Gesundheit der Mutter. Für die letzten drei Monate kann ein Bundesstaat die Abtreibung verbieten, es sei denn, die Gesundheit der Mutter ist bedroht.

"Ich stehe für die Rechte der Ungeborenen", verkündet Ellen McCormack, "alle anderen Kandidaten sind für ein Gesetz, das 50 Millionen unschuldiger Lebewesen töten könnte." Und Dr. Mildred Jefferson erklärt: "Abtreibung ist ein Klassen-Krieg gegen die Armen und das Äußerste an sexueller Perversion, indem so getan wird, als habe Sex nicht stattgefunden, und der Beweis wird einfach weggeworfen." Mildred Jefferson, 48 Jahre alt, verheiratet, keine Kinder, ist Methodistin, schwarz, Chirurgin an der Bostoner Universitätsklinik und Präsidentin des "Nationalen Recht-auf-Leben-Komitees", einer Organisation, die sich auf eine Million Mitglieder und fast 3000 Aktionszentren in allen 50 US-Staaten beruft. Diese Organisation unterstützt die einzige Präsidentschaftskandidatin und versucht das Thema Abtreibung den anderen Bewerbern um die Präsidentenwürde zu oktroyieren.