Von Jens Friedemann

Gutsherren, Geldadel, Makler und Spekulanten haben in den USA ein Millionengeschäft mit Weizen und Tomaten, Rindern und Reis entdeckt. Filmstars wie Barbra Streisand und Charles Bronson, Versicherungskonzerne wie Prudential Life und auch die Ölscheiche Arabiens kaufen Ranches und Farmen, Ackerland und Weiden in den Prärien des Westens und im sonnigen Kalifornien. Prominenz aus der Bundesrepublik zieht es ebenfalls ins Land der Cowboys.

Verleger und Jungmillionär Heiner Burda engagierte sich mit zehn Millionen Mark Eigenkapital. Fünf Farmen im Gesamtwert von 3,5 Millionen Dollar erwarben allein die vier Nachkommen des österreichischen Staatsmannes Fürst Metternich im Staate Iowa.

Was den Geld- und sonstigen Adel auf die Farmen und Ranches treibt, ist die Aussicht, auf steil ansteigende Erträge aus den landwirtschaftlichen Betrieben und auf den Wertzuwachs von Äckern und Wiesen. Selbst Wüste ist gefragt. Ob Wasser da ist oder nicht, spielt keine Rolle.

Den Startschuß für die größte Farmlandspekulation in der amerikanischen Nachkriegsgeschichte gaben die Sowjets, die zum Ausgleich ihrer eigenen Mißernte zehn Millionen Tonnen Weizen in den USA kaufen mußten. Es war der zweite Großauftrag Moskaus innerhalb von vier Jahren, und er weckte weltweites Interesse an Farmen und Wiesen im mittleren Westen.

Nach Ansicht der Agrarfachleute von der Universität Kalifornien gehen die Zeiten des Nahrungsmittelüberschusses in den USA in wenigen Jahren zu Ende. Steigende Nachfrage aus der – Dritten Welt, verstärkt durch weitere Mißernten und die Inflation, versprechen der gesamten Nahrungsmittelindustrie – so Arthur Burns, Chef der amerikanischen Zentralbank – ein Jahrhundertgeschäft. Steigende Lebensmittelpreise aber ziehen den Wert des Farmlandes mit nach oben.

„In den vergangenen zehn Jahren verfünffachte sich der Wert erschlossenen Farmlandes“, dozierte Robert Leuning, Professor für Agrakultur in Wisconsin. Als noch einträglicher erweisen sich Wiesen und Weiden, die nach der landwirtschaftlichen Nutzung an Ferienhausinteressenten verkauft werden können. Die Wertsteigerungen amerikanischen Ranchlandes schlagen die Gold- und Aktienrenditen der vergangenen Jahre bei weitem; doch der ganz große Boom steht erst noch bevor. Das behaupten zumindest Makler und Verkäufer.