Ja, wenn der Kunst zugestanden wird, neue Wege der Ausdrucksweise aufzuzeigen. Sie gibt der Phantasie des Künstlers und des Betrachters die Möglichkeit zur freien Entfaltung. Dies bewirkt sie dadurch, daß sie oft auf naturgetreue Wiedergabe verzichtet und durch abstrakte Darstellung ihrer Themen den Geist des Menschen in das Werk impliziert und so dem Kunstliebhaber die neuen Wege des Ausdrucks nahebringt. Jutta Bauer, 19 Jahre

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Die meisten empfinden vor modernen Gemälden Abscheu, weil sie meinen, daß überhaupt kein Können dazu gehört, solche Bilder zu malen. Bei näherer Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Kunst aber wird der Betrachter merken, daß sie sehr viele Ansätze zum Nachdenken liefert. Das bezweckt der moderne Maler auch; er will ganz bewußt Kritik an der Gesellschaft, der Politik, der Rolle der Frau usw. üben, indem er auch entsprechende Techniken verwendet. Es wird oft einfach behauptet, daß jene Maler nicht malen können. Aber ich glaube, daß sie auch die exakte Maltechnik der alten Meister beherrschen, was sich oft in ihren Frühwerken zeigt.

Helga Klimkeit, 14 Jahre

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Ich unterstelle, daß mit dieser dämlichen Frage der Bereich der bildenden Künste gemeint ist; nach dieser provozierenden Anregung muß Kunst irgendwann Kunst gewesen sein. Das Problem scheint mir eine Begriffsfrage: Was ist für uns Kunst?

Für einige ist es: Diskussion, politisches Kampfmittel, Poesie, Befreiungsakt, anthropologische Notwendigkeit, Ausdruck von Lebensfreude, Entfremdungserscheinung, Barometer einer Gesellschaft, Freiraum, Wissenschaft, verlorene Phantasie, Emotion, reinzuhaltendes kulturelles Erbe, unpolitisches Phänomen zwischen Biedermeier-Salonkunst und sachlichem Funktionalismus. – Zur Zeit: irritiertes Konservierungsverfahren von Machtverhältnissen, Abbild, Zerrbild, neue Religiosität, Verfall, unverständlicher Kraftakt, Mitteilung, überinterpretierte Wahrnehmungsübung, Beschönigung einer Ohnmacht, Langweiler, Fluchtpunkt usw.