• Die Währungsunruhen der letzten Wochen innerhalb des Europäischen Währungsverbundes der sogenannten „Schlange“ haben am 15. März zum Ausscheiden des französischen Franc aus der Schlange mit nachfolgender Abwertung geführt. In der verbliebenen Rest-Schlange hat es aber weiterhin große störende Devisenbewegungen gegeben. Lohnt sich unter diesen Bedingungen die Aufrechterhaltung der Mini-Schlange überhaupt noch, oder sollte man nicht lieber zum allgemeinen Floaten übergehen?

Emminger: Es gibt schon Argumente für die Aufrechterhaltung der übriggebliebenen Mini-Schlange als besonderen Währungsverbund. Sie bestand ja schließlich in der heutigen Zusammensetzung – Bundesrepublik, Benelux-Länder, skandinavische Länder – schon eineinhalb Jahre lang, nämlich von Januar 1974 bis Juli 1975, das heißt während der Zeit des ersten französischen Ausscheidens aus der Schlange, und wir sind damals gut damit gefahren. Außerdem rechtfertigt sich die Fortsetzung der Mini-Schlange vielleicht auch dadurch, daß sie eine Auffangstellung für eine etwaige spätere Rückkehr Frankreichs in den engeren Verbund darstellt; vielleicht, in einer allerdings noch fernen Zukunft, auch für die Rückkehr Großbritanniens und Italiens.

  • Muß aber dann nicht alles getan werden, um wieder Ruhe und Vertrauen auf den Devisenmärkten zwischen den verbliebenen „Schlangen“-Währungen herzustellen?

Emminger: Sie haben recht. Die Mini-Schlange hat nur Wert, wenn sie ein Hort der Währungsstabilität und Währungsdisziplin ist, nicht aber, wenn sie selbst zum Unruheherd wird. Im Augenblick, da ich Ihre Frage beantworte, ist auf den Devisenmärkten wieder einigermaßen Ruhe eingekehrt. Hoffen wir, daß dies anhält. Die Frage ist freilich, ob man das Ausscheiden des französischen Franc nicht besser zum Anlaß genommen hätte, die Wechselkursrelationen in der Rest-Schlange zu überprüfen. Daß dies nicht geschah, ist von verantwortlicher deutscher Seite bedauert worden.

  • Die „Schlange“ ist doch eine Währungsgemeinschaft mit festen Wechselkursbeziehungen untereinander. Sollen denn innerhalb einer solchen Währungsgemeinschaft die Leitkurse auch immer wieder geändert werden?

Emminger: Entweder marschieren die Mitglieder des Währungsverbundes sowohl in der inneren Stabilität als auch in der Zahlungsbilanzentwicklung im gleichen Schritt, oder sie müssen von Zeit zu Zeit die Umrechnungskurse, das heißt die Wechselkursrelationen anpassen. Daran führt kein Weg vorbei. Nur sollte man damit nicht immer warten, bis das Mißtrauen in bestehende Wechselkursrelationen Milliarden von Devisen in Bewegung bringt und damit nicht nur eine Krisenatmosphäre, sondern auch eine inflatorische Geldaufblähung hervorruft. Unvermeidliche Anpassungen sollte man auch ohne Krisendruck zuwege bringen.

  • Und wie wäre es, wenn man – wie es den Franzosen neuerdings vorzuschweben scheint – statt dessen die gegenseitigen Kreditfazilitäten stark ausweiten oder gar einen Teil der Währungsreserven „vergemeinschaften“ würde?