Solingen

In der bergischen Stahlstadt Solingen ist in aller Stille eine Schlacht geschlagen worden. Dort konstituierte sich Anfang Februar eine Aktion „Solingen hilft Guatemala“, eine private Bürgerinitiative, ein Team von optimistischen Amateuren mit Herzklopfen und Hoffen. Angetreten zu helfen, wo Hilfe angesichts der mittelamerikanischen Erdbeben-Katastrophe widersinnig, aussichtslos schien. Straßen-, Haussammlungen, Spenden aus Krankenhaus sern und Altersheimen, in Schulen und Sportstadien, in Firmen und Vereinen: Und das Wunder geschah.

Nach einer Woche flog mit einer DRK-Maschine das erste Paket aus Solingen in Guatemala-City ein, mit 3000 Einheiten Tetanol-Impfstoff für die Verletzten im Barrio, in den Slums der Zone 8, wo eine Solingerin – Präsidentin einer deutschen Hilfsorganisation – seit einem Jahrzehnt vor allem Indio-Kinder verpflegt und betreut.

Während die guatemaltekischen Tageszeitungen die Photos der Solinger Sammler publizierten, flossen in der bergischen Schneidwarenmetropole konstant die Spenden; aus der lokalen Aktion wurde eine überregionale. Hilfe kam per Scheck und Überweisung aus Bonn und Bremen, Düsseldorf und Ratzeburg, Neuss und Wuppertal, aus Bielefeld und Hagen, aus dem gesamten Ruhrgebiet, das durch eine „Filiale“ in Dortmund mobilisiert worden war. Vier Wochen nach den ersten Erdstößen, die Tod und Chaos über Guatemala gebracht hatten, machte man in Solingen Zwischenbilanz: Eingegangen waren bis dahin Geldspenden in Höhe von 30 000 Mark, ein stolzer Betrag – und doch verschwindend klein, gemessen an dem Schaden, den ein Land erlitt, das heute kaum noch Schlagzeilen macht.

Wilhelm Rosenbaum