Die Bayerische Vereinsbank tut sich genauso schwer wie die anderen Banken, die „Krisengewinne“ des letzten Jahres „aufzubereiten“. Vorstandsmitglied Heribert Strobel widersprach der Vorstellung, daß man sich eine „goldene Nase“ verdient habe. Es fehle nicht an „Mut zum Gewinn“, aber man wolle die Ertragskraft auch nicht „schönen“. Er nannte fast alle ertragsrelevanten Posten – nur über die Höhe der Einzelwertberichtigungen schwieg er sich aus mit der Begründung, daß es sich hier um „notwendige“ Rückstellungen für mögliche Risiken handle.

Vorstandssprecher Werner Premauer pochte darauf, daß hier keineswegs stille Reserven angelegt worden seien. Andererseits mußte man aber einräumen, daß die effektiven Kreditausfälle bisher minimal waren, auf gar keinen Fall, so Strobel, habe der tatsächliche Gewinn so stark angezogen wie die Ertragssteuern, die auf rund 60 (29) Millionen Mark mehr als verdoppelt sind. Eher gäbe die Steigerung des Jahresüberschusses um 28 Prozent auf 72,6 (56,6) Millionen Mark eine Vorstellung vom verbesserten Ergebnis. Immerhin konnten die Pensionsrückstellungen mit fast 38 (12) Millionen Mark dotiert werden. Veranschlagt man die Einzelwertberichtigungen auf gut 50 Millionen Mark, so sind im ganzen zwischen 180 und 190 Millionen Mark für Dividende (20 nach 18 Prozent), Rücklagen, Rückstellungen, Abschreibungen und Wertberichtigungen „verdient“ worden – rund zwei Drittel des Aktienkapitals von 286 Millionen Mark.

Ohne Zweifel war 1975 das beste Jahr in der Geschichte der Bank. Die Quellen des Mehrertrages: die verbesserte Zinsmarge, höhere Effektenprovisionen und -handelsgewinne bei nur noch 1 (12) Million Mark Wertpapierabschreibungen. Der Hauptversammlung am 29. April wird ein genehmigtes Kapital von 75 Millionen Mark vorgeschlagen. Bö.