Die Bundestagswahlen rücken näher – das zeigt sich auch daran, daß sich die regierenden Bonner Sozialdemokraten noch schnell Pfründe schaffen, die ihnen auch eine nachfolgende Regierung Kohl nicht mehr nehmen kann und die die Steuerzahler in jedem Falle bezahlen müssen. Ein Beispiel aus Hans Matthöfers Bundesministerium für Forschung und Technologie: Der der CDU angehörende Grundsatz-Abteilungsleiter Karl-Friedrich Scheidemann wurde, wie schon gemeldet (ZEIT Nr. 4 vom 16. Januar), noch vor Erreichen der Altersgrenze in ein eigens dafür geschaffenes „Bonner Verbindungsbüro“ der Max-Planck-Gesellschaft wegkomplimentiert.

Kritische Stimmen, die deshalb im Haushaltsausschuß des Bundestages laut geworden sind, wurden dort von der Mehrheit der Regierungskoalition untergebuttert. Scheidemanns Stelle nimmt Günter Lehr ein, der bislang eine andere Abteilung, nämlich die für Energieforschung und -technologie, leitete.

Damit war der Fahrstuhl für zwei wichtige Genossen frei: Wolf-Jürgen Schmidt-Küster, bislang unter Lehr Unterabteilungsleiter, darf nun diese wichtige Abteilung selbst führen; ein erst 34 Jahre alter Regierungsdirektor namens Manfred Popp aber wird nun, wiederum als Nachfolger Schmidt-Küsters, Unterabteilungsleiter. Das bedeutet: Er muß nun in jedem Falle über kurz oder lang sechs Besoldungsstufen überspringen, um, wie es sich für einen Unterabteilungsleiter gehört, Ministerialdirigent zu werden. Dabei hatte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Lenzer schon vor zwei Jahren beim Forschungsminister erkundigt, wie es denn möglich sei, daß der damals gerade erst dem Twen-Alter entwachsene Popp bereits Referent sein könne.

Den Schaden von diesem ausgeklügelten Genossen-Karussell haben nicht nur jene jüngeren Beamten des Forschungsministeriums, die durch solche Praktiken um eigene Beförderungschancen gebracht werden und die darüber – so ein Betroffener – „stinksauer“ sind. Den Schaden vielmehr hat auch die Max-Planck-Gesellschaft, deren Etat – in diesem Jahr sind es 578 Millionen Mark – schon in der Vergangenheit manche Neider hatte; de Zahl der Neider wird durch die Errichtung des ebenso fragwürdigen wie teuren Verbiniung’sbüros gewiß nicht kleiner.

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Die schriftliche Forderung von rund einen Dutzend Betriebsratsvorsitzenden aus neun großen Rüstungsfirmen, Bundeskanzler Helmut Schmidt solle sich für ein; Lockerung des Waffenexports einsetzen, um bedrohte Arbeitsplätze zu sichern, ließ die Führungsspitze der Frankfurter IG Metall völlig kalt.

Wohl wissend, daß unter den Betriebsratsvorsitzenden auch einige aktive Gewerkschafter sind, erinnerte IG-Metall-Sprecher Albert Graff an den Wiesbadener Gewerlschaftstag von 1971, auf dem der Standpunkt formuliert wurde, Waffenexporte vor allem in Spannungsgebiete zu unterlassen. Über die Forderung der Betriebsräte meinte Graff: „Die sind nicht Sprecher der Gewerkschaften.“ Im übrigen wiederholte er die bekannte Gewerkschaftsforderung, daß die Bundesregierung vor allem im Bereich der Luft- und Raumfahrtindustrie das „zivile Bein stützen“ müsse.