Bonn, im März

So vieldeutig die jüngsten Äußerungen des CDU-Generalsekretärs zumal einigen Parteifreunden an Rhein und Ruhr erscheinen, so unzweideutig ist ihr Sinn: Kurt Biedenkopf will sich auch in der nordrhein-westfälischen Landespolitik engagieren. Was er vor einer Delegiertenversammlung der Union in Bunde angekündigt hat, läßt zwar das „Wann“ und „Wie“, dahingestellt, offenbart aber eine Doppelstrategie, die nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in Bonn zu Unruhe führen wird.

Schon seit dem Herbst war klar, daß der Professor nicht länger nur Hausmeier seiner Partei sein, sondern zum Politiker aus eigenem Recht werden will. So aussichtslos seine Bochumer Direktkandidatur für die Bundestagswahl ist, so identisch ist der erste Platz auf der Landesliste der Christlichen Demokraten, bei dem ihm wohl keiner mehr in die Quere kommen wird, mit einem Mandat im Bonner Parlament. Und die eine wie die andere Kandidatur dient nicht zuletzt dem Zweck, sich im größten Bundesland und im stärksten Regionalverband der CDU eine Hausmacht zu verschaffen.

Sie ist in jedem Fall wichtig. Übernimmt die Union nach dem 3. Oktober wieder das Bonner Ruder, so nützte die Hausmacht dem Wahrscheinlichen Minister Biedenkopf ebenso wie einem Abgeordneten Biedenkopf, wenn die Rückeroberung der Regierungsgewalt mißlingt. Die Hausmacht wäre der Hebel, um die Oppositionspolitik in Düsseldorf wesentlich mitzubestimmen – sofern dieser Hebel Biedenkopf nicht dazu dient, sich selber an die Stelle des glücklosen Oppositionsführers und Ministerpräsidenten-Kandidaten Heinrich Koeppler zu setzen.

Angesichts des Einflusses, den die Düsseldorfer Konstellationen bisher stets auf die Machtverhältnisse in Bonn ausgeübt haben, wäre ein solches Manöver für die sozial-liberale Koalition im Bund ein Alarmsignal. Das gilt um so mehr, als Biedenkopf bei der FDP in Düsseldorf nicht gerade auf die kalte Schulter stößt. Augenscheinlich will er, wie Kiep und Albrecht in Niedersachsen, auch in Nordrhein-Westfalen einen Brückenkopf am freidemokratischen Ufer bilden.

Glückt dieser Vorstoß und brachte er am Ende das Bonner Bündnis zum Einsturz, so wäre Biedenkopfs Triumph komplett. Mit einem nahtlos aufeinander abgestimmten politischen und persönlichen Kalkül strebt der Hausmeier der CDU offenkundig selber nach der Krone. Er hat mit einer Parallelaktion begonnen, die nicht nur die bisherigen Bonner Regenten, sondern auch die bisherige Oppositionsspitze das Fürchten lehren kann. C.-C. K.