Die Psychiatrie hat im Prozeß gegen die amerikanische Millionärstochter Patricia Hearst eine Schlacht verloren. Sie konnte die Geschworenen nicht von der These überzeugen, das Mädchen sei Opfer einer „Gehirnwäsche“ gewesen, als es im April 1974 bewaffnet an einem Banküberfall in San Francisco teilnahm.

Zuviel sprach für die freiwillige Tatbeteiligung: das Tonband, auf dem sich Pat – nun „Tania“ – nach der Entführung zu den Terroristen bekannt und ihre Eltern beschimpft hatte; das erst vor Gericht widerrufene Geständnis ihrer Liebe zum Guerilla-Führer William Wolfe, von dem sie ein Amulett in ihrer Handtasche trug; die Tatsache, daß sie ihre Flucht vor den Behörden noch monatelang nach dem Tod ihrer Entführer fortsetzte, und schließlich ihre provozierende Berufsangabe nach der Festnahme: „Stadtguerilla.“

Der Hearst-Prozeß, in dem die Angeklagte jetzt schuldig gesprochen wurde – das Strafmaß steht noch aus –, läßt sich mit den Verfahren gegen die Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe in der Bundesrepublik kaum vergleichen. Dort ist eine konventionelle Verteidigung bei dem Versuch gescheitert, die Mittäterin als Terror-Opfer darzustellen. Hier operieren ungebrochene Anhänger des Terrorismus allein mit der Beweisnot ihrer Ankläger. Patricia Hearsts Fall wird demgegenüber bleiben, was er von Anbeginn war: eine bürgerliche Tragödie. Sch.