Von Günter Haaf

Wenn Wissenschaftler wissen wollen, wie’s um ihre Wertschätzung in der sogenannten Öffentlichkeit steht, dann greifen sie zur Tageszeitung, zum Nachrichtenmagazin oder zur Illustrierten und schauen nach, was Journalisten dieser sogenannten Öffentlichkeit aus Forschung und Technik anzubieten haben. Da gibt’s dann viel zu kritisieren: oberflächlich, ungenau, sensationell übersteigert, ohne Bezug auf den wahren Wert der Forschung.

Solche Berichte über Forschung in der Presse und einigen mehr spezialisierten Publikumszeitschriften wie Bild der Wissenschaft und hobby (in den USA: Scientific American und Populär Science) gelten allgemein als die Brücke zwischen Forschung und Öffentlichkeit – als Populärwissenschaft.

Wie groß aber ist diese Öffentlichkeit, die sich an den Produkten der Populärwissenschaft geistig bereichert? Nicht so groß, wie Wissenschaftler und Journalisten gerne glauben mögen. Das jedenfalls vermutet (oder vielleicht auch: befürchtet) der amerikanische Sozialhistoriker George Basalla. Basalla stieg hinab in den Unterbau jener schönen Brücke zwischen Forschung und Öffentlichkeit, die vom Millionenheer geistiger Fußgänger benutzt wird und den die Benutzer der oberen Etage so gerne vergessen: ein düster-schillerndes Bauwerk aus Milliarden von Comic-Heften, gepflastert mit unzähligen Monster-Filmen und TV-Serien.

Was er in den Regionen der Pop-Kultur sah, berichtete Basalla seinen Wissenschaftlerkollegen beim Treffen der Amerikanischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft Ende Februar in Boston – und gab dabei einen ersten Überblick über pop science, über Pop-Wissenschaft: „Pop science ist ein Aspekt in der Popularisierung der Wissenschaft, der noch nie systematisch untersucht worden ist. Er sollte jedoch unsere besondere Aufmerksamkeit haben, denn er enthüllt einige grundlegende amerikanische Einstellungen zu Wissenschaft, Technik und Intellekt.“

Die grundlegende Einstellung ist alles andere als rosig für die Männer der Forschung. Wissenschaftler sind kaum die Helden der gegenwärtigen Populärkultur, sondern – als Pop-Forscher – eher „die Bösewichte, die ihr Wissen dazu benützen, den vom Publikum geliebten Helden zu behindern oder umzubringen“. Wie der böse Forscher auszusehen hat, beschrieb einmal Comic-Zeichner Jules Feiffer: „Ein älterer Mann mit schlechten Augen und schlechter Haltung, der ein Reagenzglas mit seiner behaarten Hand grabscht oder in einem dicken Buch blättert, immer auf der Suche nach einer Geheimformel, mit der er die Welt beherrschen will.“

Pop-Forscher in Hollywood-Filmen und US-Comics wie Superman sind jederzeit bereit, „ihre eigene Tochter oder sonst irgendjemanden für ihre Ideen zu opfern“. Besonders drastisch karikiert Stan Lee, einer der führenden Comic-Produzenten der USA, den Wissenschaftler in der Welt der Sprechblasen: Die Lee-Figur Dr. Bruce Banner, als führender amerikanischer Kernphysiker mit der Konstruktion einer neuen „G-Bombe“ beschäftigt, wird bei einem Unfall der Gammastrahlung der neuen Waffe ausgesetzt – und, recht geschieht ihm, folgerichtig in The Hulk (zu deutsch: Der Klumpen) verwandelt, „ein großes, grünhäutiges Wesen mit dem Aussehen von Frankensteins Monster und der gespaltenen Persönlichkeit von Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (Basalla). Halb Mann und halb Monster, präsentiert sich The Hulk als gefährliche Kreatur, deren übermenschliche Kräfte mit einem blöden und trägen Gehirn gekoppelt sind.