Mit seinen Super-Color-Geräten wurde Grundig unumstrittener Branchen-Erster

Josef Stoffels, Vertriebschef der Grundig AG und „starker Mann“ im Vorstand des Fürther Unternehmens, freut sich: „Seit einigen Jahren stimmt bei uns fast alles.“

Spektakulär sind die Erfolge vor allem bei Farbfernsehern: 1971 hatte Grundig hier nur einen Marktanteil von etwa zwölf Prozent, heute wirbt man bereits stolz: „Jeder vierte Farbfernsehempfänger in der Bundesrepublik kommt von uns.“ Sogar 30 Prozent Marktanteil scheinen den Absatzstrategen des Familienunternehmens in absehbarer Zeit erreichbar. 1975 wurden in der Bundesrepublik insgesamt 1,76 Millionen Farbfernseher verkauft.

Grundig hat den steilen Aufstieg zum Branchen-Ersten nach eigener Einschätzung vor allem durch einen technischen Vorsprung geschafft: In der „Super-Color“-Serie, die Anfang 1972 auf den Markt kam, wurden die Halbleiter-Bauelemente nämlich erstmals zu handlichen „Funktionsgruppen“ zusammengefaßt, sogenannten Steck-Modulen. Dies erleichterte dem Handel die Reparatur-Arbeiten sehr und nahm ihn entsprechend ein für die Produkte aus Fürth. Stoffels erinnert sich zufrieden: „Es dauerte mehr als tausend Tage, bis die Konkurrenz mit einem gleichen Produkt herauskam.“

Jahr um Jahr konnten so die Fürther seit 1971 ihren Marktanteil bei Color-Geräten um durchschnittlich 3,6 Prozent steigern. Die Produktion wurde in diesen fünf Jahren verzehnfacht. Grundig profitierte dabei von dem Effekt, daß der Handel sich gern auf möglichst wenige Fabrikate konzentriert. Wer viel hat, dem wird so noch mehr gegeben. Außerdem galten den Händlern die Geräte aus Fürth als besonders wenig reparaturanfällig.

Als allerdings der Geschäftsführer einer großen Münchner Handelsfirma (Radio-Rim) im Auftrag seines Verbandes eine Reparaturstatistik aufstellte und dabei zu Ausfallquoten einzelner Fabrikate bis zu acht Prozent innerhalb der Garantiezeit kam, da verhinderte gerade Stoffels, nebenbei Vorstandsmitglied des Produzentenverbandes, daß der Mann aus München vor seinen Kollegen darüber berichten konnte. Und das, obwohl die Grundig-Geräte bei weitem am besten abgeschnitten hatten. Stoffels („als Sprecher der Branche lege ich mein Grundig-Gewand ab“) warf dem Händler vor, er habe seinen „ungeheuerlichen“ Pauschalurteilen widersprüchliche Kriterien zugrundegelegt: „Ich habe ihn davor bewahrt, diesen Quatsch zu erzählen.“

Grundigs Konkurrenten bemühen sich unterdessen, verlorenes Terrain zurückzuerobern. Man schätzt, daß Philips mit einem Marktanteil um zwölf Prozent Zweiter in der Color-Liga ist. Zwischen acht und elf Prozent schaffen Telefunken, Nordmende, Graetz/Schaub Lorenz (SEL), Saba und die Bosch-Tochtergesellschaft Blaupunkt. Mit großem Abstand folgen Siemens und Wega, die Tochtergesellschaft des japanischen Sony-Konzerns.