„Sie ist (die von Bill,konkret’ genannte Kunst) – wie alle konstruktivistische Kunst – unfähig, die faktische Realität mit ihrem Chaos, mit ihren Konflikten wiederzugeben. Anders und salopper gesagt: Bei Bill ist die Welt noch in Ordnung“ (Gottfried Sello, DIE ZEIT vom 12. 3. 1976).

Es war nie meine Absicht, die Realität des Chaos darzustellen. Ich halte solche Bemühungen für wirklichkeitsfremd und unwirksam, jedenfalls nicht darstellbar mit den Mitteln von Malerei und Plastik. Aus der Weigerung, unzweckmäßige Mittel anzuwenden auf die Veränderung der Umwelt und der Gesellschaft, zu schließen: „Bei Bill ist die Welt noch in Ordnung“, wird vom Autor selbst als salopp bezeichnet. Salopp auf einem solchen Gebiet bedeutet jedoch schon das Risiko, jemandem etwas zu unterschieben. So ist es tatsächlich, denn bei Bill ist die Welt keineswegs in Ordnung: „Eine derartige Argumentation wird durch die Doppelausstellung eindrucksvoll widerlegt (Sello). Das Gegenteil zu einer „Welt noch in Ordnung“ wäre „die Welt im Chaos“, und der Gegensatz zu beidem ist der Vorschlag einer neuen Welt. Deren Bestandteile können heute schon im Rahmen der Kunst vorgestellt werden.

Interessant ist übrigens, daß Herr Gottfried Sello im Büchner-Denkmal ein Planquadrat sieht, dort wo ein heller Würfel von einer ungeformten Masse nicht nur umgeben ist, sondern wo diese und der Würfel sich gegenseitig durchdringen. Bisher wurde diese Lösung von jedermann begriffen, im Gegensatz zu den seinerzeit vorgeschlagenen be- und unbekleideten Bronzemännern, deren Symbolgehalt allerdings in gar keiner Weise mit dem Menschen Büchner und seinem Wirken in rauher Zeit in Einklang gebracht werden konnte. Daß mein Vorschlag jedoch noch anders gedeutet werden könnte als nur für Büchner gültig, kann unmöglich gegen diesen sprechen. Ist nicht beispielsweise die heutige Situation der Intellektuellen durch ein ähnliches Prinzip in ähnlicher Gestalt darstellbar?