Mein Freund und ich haben uns gefragt, ob sich die Ausgabe, die ziemlich hoch war, gelohnt habe. Wir hatten gegen Eintrittsgeld Tom Jones im Kongreß-Palast zu Paris gesehen und gehört, den vorläufig größten Folk-Song-Sänger aller Zeiten. Sehr hoch gewachsen, schlank, breitschultrig und mit schmalen Hüften, die er anläßlich vibrierender Töne in verwirrende Schwingungen zu bringen wußte.

„Verwirrend“ wirkten diese Schwingungen der Hüfte und der Kehle nicht auf uns, sondern auf die Tochter meines Freundes und deren Freundin. Und um es ganz genau zu sagen: Unsere Freundschaft war funkelnagelneu. Sie war am selben Tom-Jones-Abend entstanden. Aus einer gemeinsamen Verteidigung heraus.

Wohlverstanden: ich war aus Neugierde hingegangen, mein Nebenmann aber, um seine Tochter und das andere junge Mädchen festzuhalten. Unsere Freundschaft wurde dann im Bistro durch gemeinsame Klagen über die heutigen Zustände, unter denen auch Tom Jones immer wieder erwähnt wurde, gefestigt.

Ich habe in meinem Leben schon viele Konzerte gehört, ja, ich darf wohl sagen: sehr viele. Hinterher habe ich auch immer wieder aufmerksam gelauscht, wenn Sachverständige etwas sagten. Aber so sachverständig wie diese beiden jungen Mädchen ist kaum jemals einer meiner Experten gewesen. Schon deshalb hat sich das teure Billett für den Jones-Abend gelohnt.

Was glaubten wir wohl, so fragten die Mädchen, während wir durch den Frühlingsabend schritten, aus welchen Verhältnissen Tom stamme. Bei dieser Art von lauernden Fragen weiß man heutzutage, wie man sich gegenüber Zwanzigjährigen zu verhalten hat.

„Aus einfachen Verhältnissen!“

Ja, da hatten wir noch einmal Glück gehabt. „Tom spricht“, so wurden wir belehrt, „den Akzent der Leute von Wales und behält ihn bei. Sein Vater war Bergmann, er selber Maurergeselle, ehe er entdeckt wurde. Das passierte, als er nach Feierabend als Mitglied eines Folk-Song-Quartetts in einer Kneipe in Bristol sang. Er hat grüne Augen und einen Stimm-Umfang von dreieinhalb Oktaven; eine Seltenheit. Wenn seine Stimme ihn verlassen sollte, was schrecklich wäre, bleibt Tom immer noch mehrfacher Millionär. Denn sein Kehlkopf ist hoch versichert. Tom ist einsneunzig groß, und sein Gewicht beträgt fünfundachtzig Kilo.“