London, im März

Eigentlich geht es keinen was an. Denn so eine zentrale Staatsperson ist Margaret nicht mehr, seit ihre Schwester vier Kinder hat. Die reisen nie alle im selben Flugzeug, besteigen nie gleichzeitig die Yacht „Britannia“ und werden rechtzeitig für Nachwuchs sorgen.

Die Monarchie ist also längst gerettet, die Alpträume der Thronfolge-Experten – das sind schätzungsweise elf oder dreizehn Personen – brauchen nicht stattzuhaben. Margaret ist die fünfte der Reihe der Anwärter auf den Thron, aber jedes Kindeskind der Queen wirft sie weiter zurück, stellt sie tiefer ins Privatleben.

Außerdem gedenkt die Schwester es ja nicht ihrem Premierminister nachzutun und mit 60 den Hut zu nehmen (oder sagt man da: die Krone?). Unterstellen wir einmal fortdauernde Gesundheit ihrerseits (und auf die keines anderen Menschen wird ja auf der Insel und in deren auswärtigen diplomatischen Vertretungen in aller Welt täglich so oft angestoßen).

Unterstellen wir, sie wird so alt wie ihre Ururgroßmutter. Diese – Queen Victoria – kam mit 18 auf den Thron und blieb dort 67 Jahre sitzen. Elizabeth II. wurde mit 26 gekrönt. Lassen wir auch sie 82 werden wie die Pausbäckchen-Ahne, dann herrscht sie noch bis zum Jahre 2008. Wozu also tun, als sei ihre Schwester mehr als eine – sagen wir der Monarchin persönlich nahestehende Frau?

Deren Ehe also liegt nun auf Eis. Ein Scheidungsverfahren, das nötig ist, wenn nicht die gesetzlich neuerdings vorgesehenen schmerzlosen Fristen von zwei Jahren Trennung (Widerspruch des anderen möglich) oder fünf Jahren (Widerspruch aussichtslos) abgewartet werden, wollte sich der Palast nicht antun. Hinter der vorgehaltenen Hand sagen auf Zehenspitzen behutsam umhergehende Juristen, eine verschleppte Scheidung – die dann doch komme – mache alles nur viel schlimmer. Die Gazetten, sagen sie, würden die Bekanntschaften getrennt lebender Ehegatten in anderem Licht sehen als Neuaufbauversuche geschiedener, und nicht nur die Gazetten.

Als weniger rücksichtsvoll umherschauender Nicht-Untertan sagt man sich, daß die Queen sich diese Scheidung ihrer Schwester hätte ersparen können, wenn sie vor zwanzig Jahren nicht an der Scheidung des Fliegerobristen Townsend Anstoß genommen hätte. Damals taten sich Buckingham Palace und Lambeth Palace zusammen zu einer Phalanx von Thron und Altar, vor der Margaret kapitulierte. Darf man sich Vorgänge in hochgestellten Köpfen denken wie die in unsereins Gedankenwelt? Würden Sie ihrer älteren Schwester so etwas verzeihen?