Seinen Konkurrenten läßt er keine Chance mehr

Von Eduard Neumaier

Stuttgart, im März

Die Spannung in Baden-Württemberg vor dem Wahltag des 4. April gleicht ungefähr der eines Fußballspiels, in dem die Heim-Mannschaft fünf Minuten vor Spielende bereits 10:0 führt. Da gibt es kaum noch Überraschungen mehr, höchstens die Frage, ob das Dutzend noch voll wird. Es interessiert lediglich, wie hoch die CDU diesmal gewinnen kann, die schon vor vier Jahren 52,6 Prozent erhielt. Ob es sich um Christdemokraten, um Sozialdemokraten und um Freie Demokraten handelt – die einen haben nicht den geringsten Zweifel, die anderen kein Fünkchen Hoffnung mehr.

Da veranstaltet der „Südwestfunk“ ein Wähler-Toto, dessen Sieger nicht, wie es bei einem offenen Rennen sein müßte, mit dem künftigen Ministerpräsidenten dinieren darf, weil man den Namen des Siegers nicht kennt. Bewahre, mit „Ministerpräsident Tübinger“ darf er essen. Fest steht das wie eine alte Tanne.

Da begrüßt ein rührender Ortsvorsitzender „unseren künftigen Ministerpräsidenten Erhard Eppler“ – und erntet einen Heiterkeitserfolg, als wär’s ein Bauernschwank.

Und Martin Bangemann, der Freie Demokrat, flicht den Wunsch in seine Darlegungen ein, man wünsche sich eine starke CDU, „weil wir im nächsten Landtag eine starke Opposition brauchen“. Verstehendes Gelächter.