Sehenswert

„Frühling für Hitler“ von Mel Brooks ist kein weiterer Beitrag zur modisch-morbiden Nazi-Nostalgie, sondern eine konsequent geschmacklose Groteske über die hysterischen Anstrengungen von zwei notorischen Verlierern, die durch eine trickreich eingefädelte Broadway-Pleite ans ganz große Geld kommen wollen. Mit den Spargroschen liebeshungriger Greisinnen lancieren die beiden Produzenten (Originaltitel: „The Producers“) das Musical „Springtime for Hitler“, das leider statt des erwarteten Reinfalls ein rauschender Erfolg wird. In seinem ersten, 1968 entstandenen Film beweist Amerikas zur Zeit erfolgreichster Komödien-Regisseur Mel Brooks („Frankenstein Junior“) ein Faible für schwarze Pointen, schräge Gags und infantil-regressive Figuren, die permanent greinend und lärmend ein Tollhaus jüdischer Traumata bevölkern. Angesichts von Zero Mostel und Gene Wilder erscheint etwa Jerry Lewis als völlig „normal“. „Frühling für Hitler“ ist ein einziger grandioser „sick joke“ über die korrupten Verhältnisse im kommerziellen amerikanischen Theater, zugleich auch ein extravagantes Dokument für den verzückten Teutonen-Haß des Filmemachers Mel Brooks.

Mittelmäßig

„Der dritte Grad“ von Peter Fleischmann. In einer namenlosen südosteuropäischen Militärdiktatur, mit der offensichtlich Griechenland, aber eben nicht nur Griechenland gemeint ist, wird ein friedlicher Reisebüro-Angestellter (Ugo Tognazzi) eines Tages willkürlich verhaftet, gerät in ein tatsächlich kafkaesk anmutendes Gestrüpp sinistrer Geheimdienst-Intrigen und geht schließlich so absurd zugrunde wie Herr K. In seinem vierten Spielfilm, einer teuren Co-Produktion mit den Stars Tognazzi, Michel Piccoli und Mario Adorf, findet Fleischmann nie ein klares Konzept, verheddert sich heillos zwischen symbolistisch überhöhtem Existenz-Drama und spektakulärem Polit-Western. Die Konstruktionsschwächen des Drehbuchs von Fleischmann, Martin Walser und Bunuel-Mitarbeiter Jean-Claude Carrière werden zusätzlich betont durch eine merkwürdig matte Inszenierung, der es nie gelingt, die komplexen Beziehungen zwischen den drei Hauptfiguren dem Zuschauer sinnlich plausibel zu machen.

Ärgerlich

„Das Netz“ von Manfred Purzer. Requiem für einen Mädchenmörder: nach dem Roman von Hans Habe spinnt Regie-Debütant Purzer, seines Zeichens CSU-Medienexperte und Simmel-Drehbuchautor, die elegische Leidensgeschichte eines feinsinnig-konservativen Literaten, dessen faschistoide Elite-Ideologie mit viel inniger Sympathie bedacht wird. Der kultivierte Killer mitsamt seinem pathologischen Haß auf alles Junge, Linke oder auch nur halbwegs Progressive findet in Purzer einen verständnisvollen Gesinnungsgenossen, der nichts unversucht läßt, Habes pseudo-philosophische Blähungen adäquat zu illustrieren. Es wimmelt nur so von infamen Klischees. Warum die Projektkommission der Filmförderungsanstalt dieses Machwerk mit 600 000 Mark bedacht hat, bleibt unklar, wenn es auch einige mißgünstige Zeitgenossen gibt, die einen Zusammenhang zwischen dem Geldsegen und Purzers Tätigkeit als Vorsitzender just jener Projektkommission herstellen möchten. Auch die Filmbewertungsstelle der Bundesländer (FBW), immer für einen makabren Scherz gut, fand „Das Netz“ noch „wertvoll“. In einem Kölner Action-Kino wandten sich dagegen die ersten Zuschauer schon nach einer halben Stunde mit Grausen dem Ausgang zu.

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