In diesen Tagen muß der Rentenmarkt seine Belastbarkeit unter Beweis stellen. Neben der 7 1/2prozentigen Bundesanleihe mit einem Volumen von 660 Millionen Mark wird zur gleichen Zeit ein Betrag von 500 Millionen Mark als 7 1/4prozentige Anleihe der Europäischen Gemeinschaft angeboten. Daneben gibt es noch eine Reihe von auf Mark lautenden Auslandsanleihen, außerdem sogenannte Privatplazierungen, also Emissionen, die nicht über die Börse gehen. Zwar wird für die einzelnen „Typen“ jeweils ein anderer Zeichnerkreis angesprochen, doch stellt der Block der Neuemissionen insgesamt eine erhebliche Belastung dar. Es ist damit zu rechnen, daß ein Teil davon zunächst im Bereich der Kreditinstitute hängenbleibt. Das ist auch nicht weiter tragisch; denn sie suchen für ihre Liquidität gutverzinsliche Anlagen.

Die Institute sind allerdings bestrebt, die auf Mark lautenden Auslandsanleihen weiter zu plazieren und selbst lieber öffentliche Inlandsanleihen im Portefeuille zu behalten. Die Auslandsanleihen genießen im allgemeinen keine Kurspflege; an „schwachen“ Börsentagen sind sie nur unter erheblichen Kurszugeständnissen absetzbar – ein Nachteil, der ihren Wert als jederzeit liquidierbare Anlage erheblich herabsetzt. Dagegen werden die Bundesanleihen (nebst Anhang) von der Bundesbank gut reguliert; in der Vergangenheit haben die Frankfurter Währungshüter gelegentlich für Bundesemissionen mehr als den Marktpreis gezahlt, um zu verhindern, daß der Kapitalmarktzins steigt. Im vergangenen Jahr sind für solche Manipulationen allein acht Milliarden Mark eingesetzt worden.

Die Folge der ständigen „Kursüberwachung“ bei den Bundesanleihen: Der Bund genießt mit seinen Papieren bei den Kapitalanlegern eine Vorzugsstellung, die ihn befähigen wird, Kapital billiger einzukaufen als die übrigen Emittenten. Bislang hat er jedoch von dieser Position nur wenig Gebrauch gemacht. Er hatte dazu auch kaum Gelegenheit; denn als Anleihe-Konkurrenten treten praktisch nur die Bundesländer auf, deren Anleihen allerdings längst nicht so gut gepflegt werden wie die des Bundes, der Post, der Bahn und der Lastenausgleichsbank. Daher sind die Renditen der Länderanleihen höher als die der genannten Institutionen.

Die Industrie hat ihre letzte Emission im Jahre 1972 aufgelegt; seitdem machte sie von dem Finanzierungsinstrument „Anleihe“ keinen Gebrauch mehr. Die Unternehmen „behelfen“ sich mit Schuldscheindarlehen, die billiger sind und außerdem maßgeschneidert werden können.

Eine weitere Konkurrenz zu den börsengängigen Emissionen stellen die Bundesschatzbriefe dar, die in den letzten Wochen für etliche hundert Millionen Mark abgesetzt werden konnten. Inzwischen ist der Absatz der „alten“ Bundesschatzbriefe gestoppt. Die neuen kommen am 1. April heraus, allerdings mit einer niedrigeren Rendite. Der Typ A mit sechs Jahren Laufzeit und jährlicher Zinsauszahlung bringt 6,82 Prozent, der Typ B mit siebenjähriger Laufzeit und Zinsansammlung 7,17 Prozent, natürlich auf die gesamte Laufzeit bezogen. Für viele Sparer gelten Bundesschatzbriefe als Wartebahnhof. Sie sollen abgestoßen werden, sobald der Kapitalmarktzins einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Vorläufig allerdings sinkt er noch ...

Gleichlaufend mit der Zinssenkung bei den Bundesschatzbriefen sind auch die Renditen der Finanzierungs-Schätze des Bundes (nicht rückgabefähige unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes, die im Nominalwert ab 1000 Mark an Inländer abgegeben werden) zurückgenommen worden. Einjährige Papiere bringen nur noch eine Rendite von 4,85 Prozent, zweijährige eine Rendite von 5,70 Prozent. Mit diesen Sätzen liegen sie über den Zinssätzen für Spareinlagen, die in diesen Tagen überall gesenkt werden. Von dieser Zinssenkung wird erwartet, daß das „Spargeld“ zumindest zum Teil in festverzinsliche Wertpapiere angelegt werden wird. K. W.