DIE ZEIT

Kein Platz für Klassenkämpfer

Nach mehr als zwanzig Jahren ideologischen Streits war auf dem Kampfplatz schon beinahe Stille eingekehrt, als alle drei Parlaments-Fraktionen letzte Woche dem Mitbestimmungsgesetz zustimmten.

Wie schwach ist der Westen?

Die Demütigung von Angola wirkt nach. Der risikolose Sieg der Sowjets hat der Weltmacht Amerika eine tiefe Wunde geschlagen.

Nachsitzen

Wie kann man den 200. Geburtstag der Vereinigten Staaten von Amerika ehren? Die Antwort auf diese Frage verursacht vielen Nationen Kopfzerbrechen.

Israel am Pranger

Ein gewohnter, manche mögen sagen: ein gewohnlicher Vorgang – die Anklage gegen Israel vor dem Weltsicherheitsrat. Es gab in den letzten Jahren so viele davon und auch so viele einseitige Verurteilungen, daß sie kaum noch ernst genommen werden.

Bürgertragödie

Die Psychiatrie hat im Prozeß gegen die amerikanische Millionärstochter Patricia Hearst eine Schlacht verloren. Sie konnte die Geschworenen nicht von der These überzeugen, das Mädchen sei Opfer einer "Gehirnwäsche" gewesen, als es im April 1974 bewaffnet an einem Banküberfall in San Francisco teilnahm.

Zeitspiegel

Raul Castro, Bruder des kubanischen Präsidenten, hat das Eingreifen einer kubanischen Division in den angolanischen Bürgerkrieg auf seine Weise gerechtfertigt: "Wie können sie (er meinte die Amerikaner) von Intervention sprechen, wenn sie gerade erst vor ein paar Monaten besiegt wurden und das heroische Vietnam nach mehreren Jahren der Intervention verlassen mußten? Wie Fidel schon sagte, suchen wir in Angola weder Erdöl, noch Kupfer, noch Eisen, oder sonst irgendetwas – wir wenden lediglich eine Politik der Grundsätze an.

Ein Mann des frohen Mutes

Die politischen Sterndeuter Amerikas haben in diesen Vorwahlwochen Hochkonjunktur. Ihr derzeit interessantes Objekt: Jimmy Carter.

Woran England krankt

Aus der Nähe betrachtet, war das bestimmende politische Ereignis der letzten Wochen in Großbritannien nicht der Rücktritt von Premierminister Wilson, sondern der Auftritt von Nobelpreisträger Solschenizyn in der BBC gewesen.

Filbinger auf der Siegesstraße

Die Spannung in Baden-Württemberg vor dem Wahltag des 4. April gleicht ungefähr der eines Fußballspiels, in dem die Heim-Mannschaft fünf Minuten vor Spielende bereits 10:0 führt.

Brückenkopf Biedenkopf

So vieldeutig die jüngsten Äußerungen des CDU-Generalsekretärs zumal einigen Parteifreunden an Rhein und Ruhr erscheinen, so unzweideutig ist ihr Sinn: Kurt Biedenkopf will sich auch in der nordrhein-westfälischen Landespolitik engagieren.

Eine Übung in Linientreue

Diszipliniert, höflich und in unabänderlicher Linientreue präsentierten sich die Delegierten des Bonner DKP-Parteitags; man könnte auch sagen: in perfekter Langeweile.

Sirenenklänge aus Moskau

Zehn Jahre lang hatte es geheißen: Der Kollaps des weißen Regimes in Rhodesien steht unmittelbar bevor. Aber zehn Jahre lang hatte der Zusammenbruch nicht stattgefunden.

Eine Armee von Mitläufern?

Brave soldiers, brave soldiers", murmelte der britische Premierminister Harold Macmillan, nachdem er, viele Jahre ist es her, die Front des Bonner Wachbataillons abgeschritten hatte.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: Standhaft

Es muß sich auf gewisse Grundsätze stützen, die unser Land in den vergangenen sieben Jahren stets bejaht hat. Erstens werden wir unsere militärische Stärke aufrechterhalten.

Die Reichsbahn schaltete auf stur

Die Ende vergangenen Jahres mit der DDR abgeschlossenen Verkehrsvereinbarungen enthalten große Möglichkeiten, aber auch kleine Tücken.

Leere Särge für die Kandidaten

Der 39jährige Generalsekretär der Sozialistischen Partei Thailands, Dr. Boonsanong Punydoyana, fährt von einer Party nach Hause und wird auf offener Straße erschossen.

Deutsche auf Distanz

Die Aussperrung dreier westdeutscher Rundfunkleute von der Leipziger Messe hat der Bundesregierung einige Selbstbeherrschung abverlangt.

Die Entspannung hat erst begonnen

Auch in der Politik gibt, es Modeerscheinungen. Dazu gehört in neuester Zeit die Debatte darüber, ob die Politik der Entspannung gescheitert ist.

Bild: "Nicht gegen den Fortschritt im Strafvollzug": Gegendarstellung

1. In der Ausgabe Nr. 12 der "Zeit" vom 12. 3. 1976 erwecken Sie mit der Schlagzeile auf Seite 1 "Marion Gräfin Dönhoff: ,Bild‘ wütet gegen den Fortschritt im Strafvollzug" sowie der Überschrift auf Seite 3 "Kampagne gegen den Fortschritt" und der Unterzeile "Mit Lug und Trug versucht ‚Bild‘, alte Vorurteile neu zu beleben" den Eindruck, daß sich die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung gegen den Fortschritt im Strafvollzug wendet.

Aus der Sicht der ZEIT:

Durch Beschluß des Landgerichts Hamburg vom 18. März 1976 ist der ZEIT per einstweiliger Verfügung ohne mündliche Verhandlung auferlegt worden, die obige Gegendarstellung abzudrucken.

Lieber mit der CSU

Zwei Wochen nach seiner Wahl zum Münchner SPD-Vorsitzenden überkam Max von Heckel das Selbstmitleid. Er komme sich vor "wie ein Irrenhausdirektor, nur ohne dessen Kompetenzen", stöhnte der Kämmerer der bayerischen Landeshauptstadt.

Schnüffelnde Polizei

"1984 findet nicht statt", versicherte Berlins Innensenator Kurt Neubauer, aber so ganz sicher ist der Bürger da nicht mehr.

Beispiel aus Solingen

In der bergischen Stahlstadt Solingen ist in aller Stille eine Schlacht geschlagen worden. Dort konstituierte sich Anfang Februar eine Aktion "Solingen hilft Guatemala", eine private Bürgerinitiative, ein Team von optimistischen Amateuren mit Herzklopfen und Hoffen.

Fit fürs Freibier

Daß in Bayern die Uhren anders gehen – zu dieser Erkenntnis verhalf bundesweit der SPD-Vorsitzende Willy Brandt. Doch daß es im Freistaat auch noch mit dem Kalender so eine Sache ist, das wissen eigentlich nur die Einheimischen.

Schelte für Rudi

Den wortgewaltigen Frankfurter Oberbürgermeister Rudi Arndt zum Schweigen zu bringen, ist beinahe unmöglich. Doch jetzt haben es die Richter der V.

Wie im Wettkampf

Der Gerichtsberichterstatter des Spiegel, Gerhard Mauz, hat im glänzend geschriebenen Vorwort zur überarbeiteten Sammlung seiner Justizreportagen die These aufgestellt, im Strafprozeß werde um das Recht allenfalls so gerungen wie um den Sieg auf dem Sportplatz: "Die Zukunft der Strafjustiz ist nur so lange gesichert, als es ihr gelingt, den Schein zu wahren, sie entscheidet, wo sie in Wahrheit ein Spiel ums Recht organisiert hat, in dem alles möglich ist.

"...es verbrennt alles innen"

Ein zunächst scheinbar harmloses, jedoch ein wichtiges Buch.................................................................

Dreimal Siegheil und dann über Bord

Der Codename des Unternehmens war "Rheinübung"; und so sehr auch Todesernst jenes ".. Übung" zur Blasphemie machte: heute, im Rückblick nach einem Dritteljahrhundert, wirkt diese Tarnbezeichnung so falsch nicht.

Wohin geht die Fahrt?

Die Frage "Wohin treibt die Nato?" enthält bereits das Urteil des Fragestellers: Treiben ist ein passiver Zustand, eine untätige oder ohnmächtige Bewegung im Strom, ziellos, ohne selbstgewählte Richtung.

Kein Spiel ohne Grenzen

Daß die Deutschen sich heute in einer besseren Lage befinden als viele ihrer Nachbarn, erklärt sich aus dem Konsensus eines ganzen Volkes bei dem Versuch, aus der Krise herauszukommen.

Verschwörung gegen die Reichen

Kurz vor Mitternacht des 24. Oktober 1967 hielten Soldaten im Regierungspalais des algerischen Staatspräsidenten die Uhren an.

BONNER KULISSE

Die Bundestagswahlen rücken näher – das zeigt sich auch daran, daß sich die regierenden Bonner Sozialdemokraten noch schnell Pfründe schaffen, die ihnen auch eine nachfolgende Regierung Kohl nicht mehr nehmen kann und die die Steuerzahler in jedem Falle bezahlen müssen.

Im Koffer

Immer noch sind Prüfer mit dem Auftrag unterwegs, festzustellen, inwieweit Banken und Sparkassen das auf dem Höhepunkt der Inflationsbekämpfung erlassene Verbot, inländische festverzinsliche Wertpapiere an Ausländer zu verkaufen, auch eingehalten haben.

Poker um Sonderschichten

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Opel-Werke einen Rekord in der deutschen Automobil-Industrie aufgestellt: 72mal waren bei der deutschen General Motors-Tochter die Fließbänder zu Sonderschichten angestellt worden, um die wiedererwachte Nachfrage nach Neuwagen zu befriedigen.

Der Vorsprung der tausend Tage

Spektakulär sind die Erfolge vor allem bei Farbfernsehern: 1971 hatte Grundig hier nur einen Marktanteil von etwa zwölf Prozent, heute wirbt man bereits stolz: "Jeder vierte Farbfernsehempfänger in der Bundesrepublik kommt von uns.

Mutmaßungen über Leiharbeiter

Mit dem größten Teil der Branche hat das Bundesarbeitsministerium längst Frieden geschlossen, einer Minderheit von Uneinsichtigen will es jetzt jedoch den Kampf ansagen: Das Bonner Ministerium bereitet dazu eine Novelle zum Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) vor, die den Arbeitsämtern die Mühe erleichtern soll, den Zeitarbeitsunternehmern illegale Praktiken nachzuweisen.

Ein Ermächtigungsgesetz?

Dr. Graf Lambsdorff (FDP):... Ernster allerdings, Herr von Bismarck, erscheint mir die Debatte um das Stichwort "Ermächtigungsgesetz".

Wie teuer ist die deutsche Mark?

Immer, wenn es Frühling wird, so scheint es, geraten die Währungen der Industrieländer in einen Wirbelsturm. In diesem Jahr traf es die Briten, Franzosen und Italiener.

Mit doppelter Garantie

Mit der Finanzaktion, die insgesamt 1,3 Milliarden Dollar mobilisiert, ist zum erstenmal das Instrument der Gemeinschaftsanleihe aktiviert worden.

Beiderseits ungeliebt

Das in der letzten Woche vom Bundestag verabschiedete Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Großbetrieben ist bei den betroffenen Verbänden – Arbeitgeber und Gewerkschaften – auf wenig Gegenliebe gestoßen.

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