Streusels haben es in diesem Jahr besonders schwer, Urlaubspläne zu schmieden.

Italien schlagt euch mal aus dem Kopf“, erklärte Herr Streusel nach langem Hin und Her im Familienrat. „Die kriegen von uns keine müde Mark. Je mehr Geld wir denen in den Rachen werfen, desto röter werden sie. Jetzt stehen die Kommunisten schon mit einem Bein in der Regierung, und eine christliche Partei hält ihnen auch noch die Steigbügel. Nun ja – wer nicht auf Genschers Warnung vor der schwarzen Volksfront hören will, muß eben fühlen. Die lassen wir mal ruhig im eigenen Saft schmoren.“

„Schade, bevor alles vorbei ist, hätte ich gern noch ein letztes Mal Neapel gesehen“, meinte seine Frau. „Diese Kommunisten vermiesen einem den ganzen Süden. Im vorigen Jahr sind wir ihretwegen schon nicht in die Algarve gereist. Sollten wir nicht in diesem Sommer ...?“

Herr Streusel winkte ab: „Nein! Seit die Kommunisten keine Gefahr mehr für Portugal sind, fahren dort Hinz und Kunz hin ...“

Gerda, die Tochter, schlug Spanien vor. „Das Land ist mir, seit Franco tot ist, nicht mehr stabil genug“, fand ihr Vater. „Wenigstens im Urlaub möchte ich doch meine Ruhe haben.“

Sein Sohn Dieter schlug die Bretagne vor, zumal seit der Franc-Abwertung alles so billig für uns sei. Sein Vater wies ihn aber zurecht: „Möchtest du wirklich dauernd die vorwurfsvollen Blicke der Franzosen spüren, weil wir bis dahin vielleicht immer noch nicht aufgewertet haben? Das ist doch eine Taktfrage; ich habe wirklich keine Lust, wie der reiche Onkel aus Amerika durch Frankreich zu reisen und wegen unserer Tüchtigkeit Schuldkomplexe zu kriegen. Das würde mir den ganzen Urlaub vergällen. Könnt Ihr das nicht begreifen?“

„Doch, doch“, tönte es in der Runde, „aber wie wäre es denn mit Cornwall? Den Engländern gegenüber brauchen wir doch nun wirklich keine Komplexe zu haben. Schließlich sind die doch selber schuld an ihrer Misere“, meinte Peter, der jüngste Sohn.