Nach mehr als zwanzig Jahren ideologischen Streits war auf dem Kampfplatz schon beinahe Stille eingekehrt, als alle drei Parlaments-Fraktionen letzte Woche dem Mitbestimmungsgesetz zustimmten. Ein wenig rührt der Friede wohl von der allgemeinen Erschöpfung, mehr aber gewiß von der Einsicht her, daß nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde.

Bei den Gewerkschaften und den Sozialdemokraten kommt auch Resignation hinzu: Über das prinzipielle Anerkenntnis hinaus, daß künftig Kapital und Arbeit gemeinsam die Aufsichtsgremien der Großunternehmen legitimieren, ist angesichts der politischen Kräfte-Verhältnisse in der Bundesrepublik auf absehbare Zeit nichts zu erreichen. Die Unternehmer wiederum können zufrieden sein. Solange die Stimme des von den Anteilseignern bestellten Aufsichtsrats-Vorsitzenden in allen nicht durch Kompromiß lösbaren Konfliktfällen den Ausschlag gibt, bleibt die Entscheidungsfreiheit der Eigentümer gesichert. Darin liegt ein starker Anreiz zur Einigung.

Man wird abwarten müssen, wie das Gesetz sich im wirtschaftlichen Alltag bewährt. Vieles spricht für eine günstige Prognose. Die Bundesrepublik ist kein Land der Klassenkämpfer. Hier haben die Arbeitnehmer dem Gesetzgeber das Eintreten für ihre Interessen – etwa im Betriebsverfassungsrecht – stets mit Kooperationsbereitschaft honoriert. So gibt es wenig Grund für die Sorge, sie würden nun die Mitverantwortung für das Wohl ihrer Unternehmen mißbrauchen, um mit radikalen Forderungen unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in Frage zu stellen.

H. Sch.