Der Wahlkampf im südostasiatischen Königreich Thailand ist lebensgefährlich. Bei anti-amerikanischen Demonstrationen am Wochenende drohten Ausnahmezustand und Militärputsch.

Bangkok im März

Der 39jährige Generalsekretär der Sozialistischen Partei Thailands, Dr. Boonsanong Punydoyana, fährt von einer Party nach Hause und wird auf offener Straße erschossen. Politische Motive werden auch hinter der Bombenexplosion in der Technischen Fachschule Rama VI vermutet, bei der fünf Studenten umkamen: Die Institution gilt als „linksorientiert“. In der Vier-Millionen-Stadt Bangkok – wo im Durchschnitt ein Mord pro Tag registriert wird – machen derweil Gerüchte über einen Militärputsch die Runde.

Das ist die politische Szenerie in Thailand am Vorabend der Wahl. Nach nur etwas mehr als einem Jahr wurden die 41 Millionen Thai schon wieder zu den Wahlurnen gerufen. Am 4. April sollen sie ein neues Parlament wählen, das Ministerpräsident Kukrit Pramoj im Januar aufgelöst hatte, weil seine Koalition aus 17 Parteien zu kopflastig geworden war – unfähig vor allem, dringend notwendige Sozialreformen gegen den wieder erstarkten Widerstand des konservativen Establishments durchzusetzen.

Um die 269 Abgeordnetensitze bewerben sich mehr als 50 Parteien mit 2370 Kandidaten. Bei diesem Andrang verwundert es nicht, daß sich der Wahlkampf so gewaltätig ausgewachsen hat. „Privatarmeen“ aus 15 Leibwächtern mit Pistolen, Gewehren und Messern für einen Parlamentskandidaten sind ebenso üblich wie „Wahlhilfen“ in Form von freien Mahlzeiten, Geld, Heroin und „Tempelspenden“ – obwohl Bestechungen gesetzlich verboten sind. Politische Gegner werden verprügelt oder ermordet.

Wahlterror hat es in Thailand immer gegeben, neu ist nur das Ausmaß. Dahinter steckt der tiefe Konflikt zwischen dem linken und dem rechten Flügel des politischen Spektrums. Das Nationale Studentenzentrum, das im Oktober 1973 durch den blutigen Aufstand gegen die Militärdiktatur der Demokratie zum Erfolg verholfen hatte, tritt für die lange vernachlässigten Arbeiter und Bauern ein.

Die rechten Gruppen dagegen, vor allem die ultrakonservative „Navapol“, ihr militanter Jugendflügel „Rote Büffel“ und das „Zentrum der Berufsschüler“ warnen vor den „Kommunisten“, sind gegen den Abzug der US-Soldaten und wollen „Nation, Religion und Monarchie“ – eine Umschreibung für den Status quo – verteidigen. Daß sich hinter den „Rechten“ Generäle, Unternehmer und hohe Beamte verstecken, ist in Bangkok offenes Geheimnis. Immerhin haben die amerikanischen Truppen nun doch mit ihrem Rückzug begonnen, ohne daß ein Putsch ihn hätte verhindern können.