Die beiden europäischen Anleihen zugunsten Italiens, bei denen die Deutsche Bank Konsortialführer ist, waren schon Anfang der Woche überzeichnet.

Mit der Finanzaktion, die insgesamt 1,3 Milliarden Dollar mobilisiert, ist zum erstenmal das Instrument der Gemeinschaftsanleihe aktiviert worden. Sie wurde im Anschluß an die Ölpreiserhöhung vom Herbst 1973 beschlossen, um Mitgliedsländern, die wegen der Ölpreisverteuerung in Zahlungsbilanzschwierigkeiten kommen, eine finanziell tragbare Überbrückungshilfe zu geben.

Von diesem Grundgedanken ist nur wenig übriggeblieben. Die Gemeinschaftsanleihe ist zu einem Instrument günstiger Kreditbeschaffung für Länder geworden, die ohne das Einstehen der Gemeinschaft mit wesentlich schlechteren Marktkonditionen rechnen müssen.

Für den Fall, daß ein Mitgliedsland die zur Rückzahlung des Darlehens erforderlichen Devisen nicht aufbringen kann, müssen die übrigen Mitglieder der Gemeinschaft bis zur Höhe vereinbarter Quoten diese Devisen zur Verfügung stellen. Der Quotenschlüssel: Deutschland, England und Frankreich je 22,02, Italien 14,68, Niederlande und Belgien/Luxemburg je 7,34, Dänemark 3,3 und Irland 1,28 Prozent.

Kein Mitgliedsland kann jedoch verpflichtet werden, der Gemeinschaft mehr Devisen als den doppelten Prozentsatz der Quote zur Verfügung zu stellen; für die Bundesrepublik sind das 44,04 Prozent. Eine doppelte Garantie also.

Ist diese Grenze erreicht und trotzdem noch ein Restbetrag zu finanzieren, dann wird er nach dem Quotenschlüssel nur auf die Mitgliedsstaaten aufgeteilt, die wegen Zahlungsbilanzschwierigkeiten vorübergehend von der Beteiligung befreit waren. Diese Mitgliedsstaaten erlangen eine verzinsliche Forderung gegen die Gemeinschaft.

Freilich: Gemessen an der Gesamtsumme der Währungsreserven aller Mitgliedsländer (69 Milliarden Dollar Ende 1975), sind 1,3 Milliarden Dollar nicht einmal ganze zwei Prozent.