Donnergrollen über Sylts Dünen. Irgendwo im Süden, zwischen Rantum und Hörnum, sprengen Bundeswehrpioniere ausgediente Bunker. Ein paar Tage nur, dann sind die Sprengmeister in Uniform wieder weg, Auf Sylt muß noch einmal kräftig aufgeräumt werden.

Hans Petersen schließt das Fenster seines Arbeitszimmers. Bei jeder Sprengung sind nur noch kleine Erschütterungen wahrnehmbar, besser zu ahnen – zu hören ist nichts mehr. „Hansi Pe“ geht, nein schreitet auf seinen Schreibtisch zu, das Platznehmen auf dem gemütlichen Sessel ist für ihn noch Zeremonie. Er hat seinen Schleudersitz zurückerobert – er darf sich wieder Kurdirektor von Westerland nennen. Die Arbeit kommt von ganz allein. Sie ist liegengeblieben, denn vor neun Monaten war Hans Petersen fristlos gekündigt worden. Petersen klagte und bekam recht.

Vordergründige Anlaß seiner damaligen Kündigung durch-die Stadt war die sogenannte Strandkorbaffäre. Mehr als sechshundert Strandkörbe wurden vor gut einem Jahr zerstört oder schwer beschädigt, als eine der vielen Sturmfluten die Insel heimsuchte. Petersens Kritiker, die ihren Kurdirektor schon seit Jahren im Visier hatten, ließen ihn damit auflaufen. Der in die Hunderttausende gehende Schaden paßte so recht ins Bild, denn zuvor hatte der Landesrechnungshof scharfe Kritik an dem Finanzgebaren der Kurverwaltung geübt. Das städtische Rechnungsprüfungsamt schließlich schlug in die selbe Kerbe; Außenstände von mehr als 500 000 Mark wurden angeprangert, davon könne ein Drittel wegen Verjährung in den Nordseewind geschrieben werden.

Das schwarze Schaf, nach dem Westerlands Stadtväter suchten, war schnell gefunden, der 1974 aus der SPD ausgetreten? Kurdirektor mußte vor Saisonbeginn seinen Hut nehmen. Fristlos.

Petersen jedoch sah in seinem Hinauswurf lediglich das letzte Glied einer Kette gegen ihn gerichteter Angriffe, insbesondere seiner eigenen ehemaligen Parteifreunde. Mitbeteiligt an diesem „Komplott der damaligen Inselmaffia“ seien vor allem die Jusos gewesen, die schon Jahre zuvor seine Ablösung gefordert hatten. Mit hinein in diese „unselige Konstellation von Personen und Interessen“ gehört nach Petersens Worten auch Westerlands damaliger Bürgermeister Ernst Schilling, der ja schließlich auch seit langem gewußt habe, wie es um die Finanzen des mondänen Nordseebades ausgesehen habe.

Schließlich paßt in diese Szenerie von Wild-Westerland auch noch die gescheiterte Planung des Atlantik-Hochhaus-Projekts, für das Petersen sich sehr stark gemacht hat. Damals, so Petersen heute, hätte der Stuttgarter Bauunternehmer Bense kostenlos ein völlig neues Kurmittelhaus gebaut, heute klagt er auf Schadensersatz.

Die Arbeitsgerichte in Husum und Kiel stellten sich auf die Seite des gefeuerten Kurdirektors, weil ihm nicht die alleinige Verantwortung für die Mißwirtschaft des Dünen-Dorados aufgebürdet werden könne. Auf der Strecke indessen blieb Bürgermeister Schill ling, der sich nicht mehr auf dem Intrigen-Karussell halten konnte. Die Stadtväter wählten mit großer Mehrheit den 29jährigen Verwaltungsfachmann Volker Hoppe, dem jetzt, wie CDU-Stadtrat Broderius glaubhaft versichert, eine Chance geboten werden solle. Mit Schilling sei man schon lange nicht mehr einverstanden gewesen. Durch dessen Schlamperei wäre die Stadtsparkasse Westerland beinahe „über den Bach gegangen“, ereifert sich Broderius.