SALTA war bereits zur Zeit der Jahrhundertwende groß in Mode. Der Erfolgslauf des Spiels aber wurde durch den Ersten Weltkrieg schlagartig unterbrochen, denn plötzlich hatte man für solche Unterhaltung keine Zeit mehr. Und seitdem blieb dieses reizvolle Spiel in der Versenkung. Bis jetzt. Denn nun wurde es wieder ausgegraben und in einer Gestaltung, die sich sehr an die alten Vorbilder anlehnt, wieder hergestellt.

SALTA ist ein bißchen Dame und ein bißchen Routine. Es gehört zu den Spielen, die man sofort begreift und auch sogleich spielen kann. Und die sich aber auch immer weiter perfektionieren, mit neuen Tricks und Varianten, mit List und Tücke zu einem immer raffinierteren Spielstatus hochzüchten lassen. Kein Spiel, das man mal herauskramt und spielt, sondern das am besten gar nicht zusammengepackt wird. Es steht griffbereit in der Ecke, man spielt am Feierabend ein paar Partien und stellt es wieder beiseite.

Im Laufe der Zeit schabt sich der Spielplan etwas durch, vor allem im dichtfrequentierten Mittelteil, die Steine bekommen Patina, das Spielwird leicht speckig. Da sind die echten Salta-Spiele am Werk. Kurze Partien, einfache Struktur, vielfältige Möglichkeiten innerhalb des Systems; nicht triumphale, sondern bescheidene Siege. Pantoffel, Zichorienkaffee und Salta gedeihen in der gleichen Umgebung.

Gespielt wird auf einem Schachbrett von zehn Feldern Seitenlänge. Jeder Spieler hat fünfzehn Steine, je ein Drittel davon Sonne, Mond und Sterne. Und damit man die einzelnen Steine untereinander unterscheiden kann, sind sie gekennzeichnet: Eine Sonne, zwei Sonnen, drei... und so weiter.

Das ganze Spiel besteht nur daraus, diese Steine in genau der Aufstellung, die man beim Start einnimmt, auf die gegenüberliegende Seite des Spielfelds zu bringen. Es wird gezogen und gesprungen wie bei Dame, doch dürfen gegnerische Steine nicht geschlagen werden. Strategische Möglichkeiten ergeben sich aus dem Zwang zu springen, wenn dies die Situation erlaubt. Man kann dem Gegenüber damit herrlich die geplante Tour vermasseln, einen seiner Steine, mit dem er die linke Spielfeldecke ansteuert, in die gegenüberliegende Ecke ziehen, so daß er dann langsam, Schritt für Schritt, wieder zurückkrebsen muß. Genauso gut lassen sich gegnerische Steine umzingeln, einkreisen, einschließen – zumindest als Störaktion ist das recht wirksam.

Anfänger und Routiniers lassen sich bei diesem Spiel leicht unterscheiden. Der Neuling richtet sein Augenmerk vor allem auf die eigenen Steine. Er plant die eigenen Züge voraus und kümmert sich um den Gegner nur insoweit, als er gelegentlich feststellt, wie weit dieser schon ist. Der Könner hingegen baut sein Spiel an den Aktionen des anderen auf, trampelt nicht nur vorwärts, sondern weicht auch wieder zurück, zögert, hält hin, taktiert.

Opas Spielkiste ist doch noch nicht ganz tot. Und seine Spielregeln gar waren noch wesentlich leichter zu begreifen als die Neufassung.