Noch hält Bonn am Mark-Block fest

Von Rudolf Herlt

Seit sich die französische Regierung zum zweitenmal aus der Schlange verabschiedet hat, wird dieser europäische Währungsverbund praktisch nur noch von einem großen Partner getragen, der Bundesrepublik. Die anderen sechs, die noch mitmachen – Holland, Belgien, Luxemburg, Dänemark, Schweden und Norwegen – sind vergleichsweise kleine Länder. Zwei von ihnen gehören der Europäischen Gemeinschaft gar nicht an.

Soll diese Mini-Schlange weiterhin unter Opfern mühsam am Leben gehalten werden? Verkörpert sie wirklich das Prinzip Hoffnung, weil sich daraus eben doch einmal eine europäische Währungsunion und schließlich eine volle wirtschaftliche Integration entwickeln könnte?

Gegen Ende der zweiten Märzwoche hat der französische Wirtschafts- und Finanzminister Fourcade seinen deutschen Kollegen Apel wissen lassen: „Wir halten das nicht mehr lange aus.“ Er meinte, die französische Zentralbank wolle nicht noch mehr Devisenreserven zur Stützung des schwachen Franc in die Schlacht werfen. Der Hilferuf wurde nicht von ungefähr nach Bonn gerichtet. Eine Aufwertung der Mark gegenüber den anderen Schlangenwährungen hätte für Frankreich eine Entlastung bedeutet. An eine Abwertung des Franc innerhalb der Schlange – was die sauberste Lösung gewesen wäre – dachte die Regierung in Paris aus Prestigegründen nicht.

Staatspräsident Giscard d’Estaing hat denn den hilfsbereiten Freunden auch gleich die Größenordnungen signalisiert. Er rief Bundeskanzler Helmut Schmidt an und ließ wissen: Sechs Prozent sind die kritische Größe, um die das Kursverhältnis Franc-Mark korrigiert werden müsse. Am Freitag, den 12. März, trafen sich Kanzler Schmidt, Finanzminister Apel, Wirtschaftsminister Friderichs und Notenbankpräsident Klasen zu einem Krisengespräch. Das Ergebnis: Wir gehen nach Brüssel und bieten eine Mark-Aufwertung um zwei Prozent an, wenn der Franc um vier Prozent abgewertet wird. Fourcade nahm das dankbar auf.

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