Von Gunhild Freese

Eineinhalb Jahre lang ließen sie die Konkurrenz für sich arbeiten. Doch nun wollen auch die beiden Nutznießer etwas fürs Ansehen der Branche tun – und für sich. Mitte Januar startete die Deutsche BP eine Kampagne für ein besseres Unternehmens-Image. Motto: "Energie. Und neue Ideen."

Ende dieses Monats wird auch die Deutsche Shell mit einer Werbekampagne zur Förderung ihres Ansehens beginnen, wobei zugleich das Erdöl als Rohstoff und Energiespender für viele Bereiche von Industrie und Wissenschaft profiliert werden soll. Themen: "Ist Erdöl tot?", "Erdöl kann man essen", "Wird das Herz aus Erdöl jemals schlagen?"

Den Anfang hatte die Esso bereits im September 1974 gemacht mit ihrer Vertrauenswerbung unter dem Slogan: "Es gibt viel zu tun. Packen wir es an."

Die aufwendigen und großangelegten Imagekampagnen der deutschen Tochtergesellschaften multinational agierender Mineralölkonzerne sollen ihr arg ramponiertes Bild in der Öffentlichkeit restaurieren. Seit der von den arabischen ölpotentaten inszenierten Energiekrise um die Jahreswende 1973/74 hatte sich der Zorn der Benzin- und Heizölverbraucher auf die Ölmultis konzentriert. Regierungen und Wettbewerbsbehörden beobachteten die Aktionen der Mineralölfirmen voll Mißtrauen. Hearings und Untersuchungen brachten zwar freundlicheres Licht in die vermeintlich dunklen Geschäfte der Großkonzerne, allein das Unbehagen blieb. Die Benzinfirmen wurden die Buhmänner der Nation. Die Vorwürfe waren massiv: Preistreiberei, mangelhafte Einhaltung gesetzlicher Verpflichtungen, Ausbeutung billiger Arbeitskräfte, Erzielung möglichst hoher Gewinne und schließlich Untergrabung der nationalen Wirtschaftspolitik.

Zu den Kritikern in der Bundesrepublik – Massenmedien, Jungsozialisten, Gewerkschaften, einige SPD-Abgeordnete – gesellte sich schließlich sogar das Bundeskartellamt, dem es um den nationalen Zugriff zum multinationalen Konzern ging.

Die Kritik freilich erwies sich in den meisten Punkten rasch als unbegründet. Nicht nur, weil die Probleme bei der Benzin- und Heizölversorgung nach wenigen Monaten gelöst waren, zumal am unreglementierten deutschen Markt. Darüber hinaus wurden die Jahre 1974 und 1975 für die Ölgesellschaften zu den härtesten ihrer Geschichte. Statt der voreilig angeprangerten Supergewinne machten die Unternehmen im Benzin- und Heizölgeschäft nur Verluste – und die Systemkritiker verloren damit ihre publikumswirksamsten Argumente.