Von Gabriele Venzky

Zehn Jahre lang hatte es geheißen: Der Kollaps des weißen Regimes in Rhodesien steht unmittelbar bevor. Aber zehn Jahre lang hatte der Zusammenbruch nicht stattgefunden. Im Gegenteil. Die abgefallene Kolonie Großbritanniens hatte sich so sehr auf die eigenen Kräfte besonnen, daß sie in den letzten Jahren zumindest wirtschaftlich besser dastand, als vor der Rebellion gegen das Mutterland. Und sein starrer Durchhaltekurs hatte Premierminister Ian Smith auf seinem Pulverfaß zu einem erstaunlich langen Leben verholfen.

Doch zehn Jahre reichen nicht aus, um daraus Gesetzmäßigkeiten abzuleiten. Vielmehr steht nun fest – auch wenn es kühn wäre, genaue zeitliche Prognosen zu machen –, daß die Tage für alle Weißen in Rhodesien gezählt sind. Es sei denn, es kommt in kürzester Zeit zu einer drastischen Kehrtwendung in der bisherigen Politik Salisburys, die bisher nur das eine Ziel hatte, die Vorherrschaft einer Viertelmillion Weißer über sechs Millionen Schwarze zu erhalten.

Doch eine Neubesinnung ist wenig wahrscheinlich. Zu aufreizend waren die Worte des Ian Smith, nachdem er die Verfassungsgespräche mit dem gemäßigten schwarzen Politiker Joshua Nkomo hatte platzen lassen: "Niemals in tausend Jahren glaube ich an eine schwarze Mehrheitsregierung in Rhodesien." Aber ebenso unmißverständlich kam die Antwort des Mannes, der wie kein anderer schwarzafrikanischer Politiker Versöhnung gepredigt hatte: "Durch eine Friedensstrategie kann nichts mehr erreicht werden", sagte der Präsident von Sambia, Kenneth Kaunda. "Nach dem Abbruch der Gespräche geht das südliche Afrika seiner schwärzesten Stunde entgegen."

Die Uneinsichtigkeit des Ian Smith wird allenfalls noch in der provinziellen Scheuklappenwelt Rhodesiens bewundert. Doch schon im benachbarten Südafrika stößt sie weitgehend auf Unverständnis. Selbst für die Verdienste der Weißen findet sich jetzt kaum ein Fürsprecher, und künftig wird es kein Verständnis mehr geben für ihre Interessen. Der Gemäßigte Joshua Nkomo, der zwar nicht zu Garantien bereit war – aber wo in Afrika ist schon auf Garantien Verlaß? –, der jedoch einen zukunftsträchtigen Kompromiß vorschlug, ist nun politisch ein toter Mann. Smith hat dafür gesorgt, daß in Zukunft die Radikalen das Rad der Geschichte auf Schwung bringen, die Soldaten der "Zimbabwe Befreiungsarmee", die in den Trainingscamps in Moçambique und Tansania für die scheinbar allein noch verbliebene Lösung gedrillt werden: den Rassenkrieg.

Juraprofessor Gordon Chavunduka, Generalsekretär des damals noch nicht gespaltenen sckwarzrhodesischen Afrikanischen Nationalkongresses, sagte mir schon vor einem Jahr: "Wir können es uns nicht leisten, allzu wählerisch bei der Auswahl unserer Verbündeten zu sein." Heute gibt selbst Joshua Nkomo zu: "Wir fragen nicht, woher die Unterstützung kommt. Wir fragen nur, inwieweit sie uns helfen kann."

In Angola haben Russen und Kubaner gezeigt, was sie können. Nun ist die Verlockung für die schwarzrhodesischen Nationalisten groß, sich abermals dieser Dampfwalze zu bedienen. Hinzu kommt, daß im Freund-Feind-Denken der Anhänger weißer Superiorität aus dem Streben nach Gleichheit und Unabhängigkeit allzu rasch ein Indiz für kommunistische Subversion wird. Daß aber diese Methode, alles, was nicht der Zementierung weißer Vorherrschaft dient, als "kommunistisch" zu verteufeln, den Kommunisten geradezu in die Hände arbeitet, scheint im südlichen Afrika immer noch unbekannt zu sein.