Unter all den vielen Restaurant- und Hotelführern haben inzwischen die zwei für Autozubehör werbenden eine klare Spitzenstellung in Deutschland: Anfang des Jahres erschien der Michelin 1976; vorige Woche der Varta 1976/77.

Die Bücher haben etwa den gleichen Inhalt (Hotels, Restaurants, Stadtpläne), sind etwa gleich umfangreich (Michelin 782, Varta 974 lockerer umbrochene und dadurch leichter lesbare Seiten), kosten ungefähr gleich viel (Michelin 23 Mark, Varta 24,80 Mark), Es kommt also darauf an: Wer gibt die zuverlässigeren Informationen?

Der Vergleich wird einem nicht leichtgemacht. Beide Führer schätzen das Motto: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß. Sie wollen zwar werten, aber diese Wertungen doch nicht zu deutlich machen.

Michelin, etwas mutiger, hat eine nützliche Karte, auf der alle Orte mit Ein-Stern- und Zwei-Stern-Lokalen verzeichnet sind; dazu eine weniger übersichtliche Karte mit „angenehmen, sehr ruhigen, abgelegenen Hotels“.

Varta hat eine vorzügliche, farbige Karte, die jedoch nur „Orte“ hervorhebt, „in denen sich HSuser mit besonderen Kennzeichen befinden“. Ganz mutig nennt er freilich in einer Tabelle acht „international bekannte Küchen“ – darunter in Baden-Baden nicht das „Stahlbad“, sondern noch einmal wieder „Brenners Parkhotel“; in Düsseldorf nicht die „Walliser Stuben“, sondern noch einmal wieder „Müllers + Fest“; nicht „Tantris“ in München, sondern die „Alte Post“ in Stuttgart. Michelin verzeichnet kurioserweise auch genau acht „hervorragende Küchen“.

Außerdem stellt Varta in einer Tabelle vierzig „hervorragende Küchen“ zusammen. Da ist Schlimmes passiert: Offenbar lesen die Varta-Inspektoren zuviel im Michelin. Anders ist es nicht zu erklären, daß zwar bei den herausragenden Küchen (die doch sicherer zu identifizieren sein müßten) die Übereinstimmung nur 25 Prozent beträgt (2 von 8), bei den noch immer sehr guten und als solchen viel schwerer zu bestimmenden jedoch beträgt die Übereinstimmung 75 Prozent (30 von 40) – wobei 8 von 10 Küchen, die Varta allein hat, beinahe so verblüffend sind wie das „Alte Gasthaus Müller“ in Wittlich oder der „Hirsch“ in Bad Wurzach.

Man müßte es den Varta-Inspektoren verbieten, im Michelin zu lesen (und umgekehrt). Sonst wird es für nachlassende oder von vornherein durch Zufall überbewertete Restaurants immer schwerer, aus der Liste herauszufliegen (Kandidaten: „Kaisers Tanne-Wirtshus“ in Breitnau, „Krone“ in Aßmannshausen, „Excelsior Hotel Ernst“ in Köln), und für aufstrebende oder durch Zufall unterbewertete Restaurants wird es immer schwerer, mal auf die Liste zu kommen (Kandidaten: „Bavaria-Blick“ in Hamburg, „Endtenfang“ im „Parkhotel Fürstenhof“ in Celle, „Parkhotel Adler“ in Hinterzarten).