Von Felix Spies

Die Fragen des Prospekts sitzen wie die Perlen auf der Schnur. „Interessieren Sie sich für Sport? Für Fußball zum Beispiel? Haben Sie schon einmal bei einer komplizierten chirurgischen Operation zugesehen? Schätzen Sie einen mysteriösen Krimi? Lieben Sie klassische Musik? Möchten Sie sich über die weltweiten Probleme der Nahrungsmittelversorgung, des Bevölkerungswachstums oder der Umweltverschmutzung besser informieren?“ Die Antwort für allfällig Interessierte, ob in Englisch, Französisch, Spanisch, in Brasil-Portugiesisch oder Arabisch, ist stets dieselbe: „Sprechen Sie mit TransTel!“

Der fünfsprachige Prospekt, in dem dies zu lesen steht, propagiert Produkte, deren Abnehmer in Südamerika und Nahost, in Afrika und in Asien sitzen. Es wirbt für ein in Übersee sehr populäres deutsches Unternehmen, das hierzulande kaum jemand kennt: die TransTel GmbH in Köln, deren Geschäftszweck es ist, mit einheimischen TV-Filmen „die Fernsehzuschauer außerhalb Europas mit den politischen, kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und allgemeinen Gegebenheiten der Bundesrepublik Deutschland vertraut zu machen“ (TransTel).

Das Angebot der rheinischen Exportfirma entspricht diesem hochgesteckten Anspruch. Die TransTel, als gemeinnützige GmbH 1965 von den elf ARD-Anstalten, der Deutschen Welle, dem ZDF und der Bundesregierung gegründet, offeriert überseeischen Fernsehstationen ein TV-Programm, das so breit gefächert ist wie die Produktion des inländischen Fernsehens, aus dessen Archiven sich die Kölner mit Filmen versorgen.

Die Skala der Beiträge – synchronisiert in Arabisch, Brasil-Portugiesisch, Spanisch, Französisch und Englisch und verglichen mit den Urfassungen der Filme meist kräftig gekürzt – reicht von „Information und Erziehung“ über „Politik/Wirtschaft/Gesellschaft“ bis hin zu „Unterhaltung“ und „Sport“. „Zar und Zimmermann“ oder „James Last und seine Revue“ sind ebenso dabei wie eine vierteilige Serie über „Die Entwicklung der Wirtschaft“ oder eine zehnteilige Folge über „König Fußball“, in der Franz Beckenbauer und Gerd Müller deutsche Kick-Kunst zelebrieren.

„Wir sind so ein bißchen was wie das Goethe-Institut“, sagt denn auch Ulrich Schaeffer. Er ist einer der drei TransTel-Geschäftsführer, die vom achten Stock des Hochhauses der „Deutschen Welle“ aus die weltweiten Aktivitäten des Propaganda-Unternehmens dirigieren. Und sie sind dabei sehr aktiv, das muß man den Kölnern lassen: Im vergangenen Jahr beispielsweise expedierte TransTel rund 14 500 Filmkopien mit einer Gesamtsendezeit von 4107 Stunden an mehr als 220 Fernsehstationen in über achtzig Länder. Seit ihrer Gründung hat die TV-Firma mehr als hunderttausend Programm-Kopien ausgeliefert. Zufrieden meint TransTel-Geschäftsführer Gerd Krause-Brewer: „Das ist nicht schlecht.“

Etwas eigentümlich ist indes, daß die Trans-Tel GmbH bei ihrer Propaganda für Deutschland – Krause-Brewer sagt lieber: „Public Relations mit anderen Mitteln“ – grundsätzlich Geld nimmt und nur in ganz seltenen Fällen, bei den Ärmsten unter den Entwicklungsländern, eine Ausnahme macht. Eigentlich ist es sogar ziemlich kurios: Einerseits sollen die umworbenen, zumeist kommerziellen Fernsehstationen in Übersee möglichst viele TransTel-Filme abnehmen und ausstrahlen. Andererseits aber müssen sie dafür zahlen, was wiederum die Nachfrage nach deutschem Filmgut dämpft.