Von Frank Otte

Nur selten gibt es so außergewöhnliche Begabungen wie Heinrich Schliemann: Als er sich Mitte des vergangenen Jahrhunderts schon in jungen Jahren als Kaufmann in Amsterdam ein Vermögen erwarb, lernte er nebenher zwanzig Fremdsprachen, darunter so schwierige Idiome wie Chinesisch, Neugriechisch und Russisch. Noch keine fünfzig Jahre alt, konnte sich Schliemann, der innerhalb von zwei Jahren Englisch, Französisch, Holländisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch bewältigte, als wohlhabender Mann ganz der Liebe zur Archäologie hingeben. Der Erfolg blieb ihm treu; er grub das antike Troja aus.

Die Kenntnis von Fremdsprachen, auch in wesentlich geringerem Umfang als bei Schliemann, war für eine berufliche Karriere stets förderlich. Heute im Zeichen immer engerer wirtschaftlicher Verflechtungen mit dem Ausland sind Fremdsprachen eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg. Viele Firmen fördern es deshalb, wenn ihre Mitarbeiter Sprachkenntnisse erwerben, und sind bereit, die Ausbildungskosten zu übernehmen.

Davon profitieren wiederum die Sprachschulen in der Bundesrepublik. Das vergangene Jahr war für die beiden größten Organisationen, Berlitz und Inlingua, das bisher erfolgreichste nach dem Krieg. Von der Wirtschaftskrise war bei ihnen bisher nichts zu spüren.

Drei Viertel der rund 25 000 Berlitz-Schüler wurden von Firmen geschickt. Unter ihnen sind, viele leitende Angestellte, die ständig Kontakt mit ausländischen Geschäftspartnern halten müssen, und Techniker, die zu Montagearbeiten ins Ausland geschickt werden. Die restlichen 25 Prozent kommen aus eigenem Antrieb; und „viel häufiger als in früheren Jahren“, so hat Uwe Bernau festgestellt, der in Düsseldorf die Berlitz-Organisation Norddeutschland leitet, „ist darunter der Typ des karrierebewußten Angestellten vertreten“.

Zwar verkünden die Institute in ihrer Werbung, daß sie jede Sprache unterrichten (Berlitz: „Von Navajo bis Mandarin“), doch in der Praxis spielen die seltenen Sprachen eine völlig untergeordnete Rolle. Auch das in letzter Zeit angeblich sprunghaft gestiegene Interesse an Arabisch und dem im Iran verbreiteten Farsi hält sich in engen Grenzen: Nur einige hundert Schüler ließen sich darin ausbilden.

Das ist zum Teil auf den Mangel an ausgebildeten Arabisch-Lehrern zurückzuführen. Dem will jetzt die englische Firma Polyglot Schools abhelfen, die auch die Diplomaten des Bonner Auswärtigen Amts in Arabisch schult und seit 1962 in fünfzehn verschiedenen Ländern des Nahen Ostens Sprachenschulen unterhält. Vom 1. Mai an will sie in München „Geschäftsarabisch“ lehren. Für 120 Stunden in vier oder sechs Wochen sind dafür rund 10 000 Mark zu zahlen.