Skifahren in Japan: Faszinierend, skurril und sehr höflich

Von Rainer Deglmann-Schwarz

Wenn die Taifune über dem Südchinesischen Meer toben und die Monsune über den Äquator rasen, wälzen Stürme aus der endlosen Weite Sibiriens Wolkenmeere über die Japanische See, die sich über dem Land der aufgehenden Sonne entleeren.

Es schneit und schneit, tagelang, Schneemassen über den westlichen Gebirgszügen Honshus, verdoppelt, verdreifacht auf der Nordinsel Hockaido: eines der schneesichersten Gebiete der Erde. Zehn Millionen Japaner schwärmen jährlich von Dezember bis April in diese winterliche Bergwelt – zehn Millionen Skiläufer (bei einer Gesamtbevölkerung von 100 Millionen). Sie füllen in Tokio schon vor Morgendämmerung Züge, Flugzeuge, Busse und Skiautos, ähnlich ist es in Nagoya, Osaka, Kobe: Skilauf in Japan ist nicht nur ein fröhlicher, erholsamer Sport, man betrachtet ihn als ernstes Geschäft, wie sich ein Liftmanager in Naeba ausdrückte.

Japans ersten Skilift stellte die amerikanische Armee nach Kriegsende bei Moiwa/Sapporo in die Schneelandschaft; insgesamt notiert man rund 200 Skiplätze, die meisten allerdings nur mit kleineren Anlagen ausgerüstet. Zehn Stationen weisen die Größenordnung alpenländischer Wintersportorte auf.

An den Liften grüner Tee

Bei „Skilauf in Japan“ denkt man zunächst an Sapporo, das sich durch die Olympischen Spiele 1972 zu Japans bekanntester Wintersportregion mauserte. Das 1871 erbaute Sapporo ist die Hauptstadt Hokkaidos, jener Insel, die noch in den fünfziger Jahren fast unbekannt war, obwohl sie mit ihren Vulkanen, Seen, heißen Quellen und Schwefelbädern, mit ihren Wäldern, Schluchten und Parks einzigartig schön ist. Verglichen mit anderen japanischen Städten ist Sapporo eine Stadt ohne Tradition, modern in der Anlage, ohne die für Japan charakteristischen Tempel und Gärten. Nur während des „Schnee-Festivals“ im Januar beleben Dutzende von überdimensionalen, in Eis gemeißelten Buddhas und japanischen Heldenfiguren den Odori-Boulevard.