Von Hans Schueler

Der Gerichtsberichterstatter des Spiegel, Gerhard Mauz, hat im glänzend geschriebenen Vorwort zur überarbeiteten Sammlung seiner Justizreportagen die These aufgestellt, im Strafprozeß werde um das Recht allenfalls so gerungen wie um den Sieg auf dem Sportplatz: „Die Zukunft der Strafjustiz ist nur so lange gesichert, als es ihr gelingt, den Schein zu wahren, sie entscheidet, wo sie in Wahrheit ein Spiel ums Recht organisiert hat, in dem alles möglich ist.“

Es scheint, als habe der Münchner „Staranwalt“ Rolf Bossi seine von ihm so genannten Anti-Memorien

Rolf Bossi: „Ich fordere Recht – 24 Jahre Straf Verteidiger in Deutschland“; C. Bertelsmann Verlag, München 1975; 448 S., 29,80 DM

nur veröffentlicht, um Mauz’ These zu rechtfertigen. Denn denkt man sich in der Vielzahl der hier beschriebenen Strafverfahren jeweils einen anderen, einen weniger engagierten und versierten Anwalt auf der Verteidiger-Bank, so ist noch im nachhinein das schlimme oder zumindest schlimmere Ende des Justiz-Wettkampfes abzusehen: Den Angeklagten wäre es übel ergangen.

Offenbar kann der Advokat aus Bayern sehr viel besser reden als schreiben. Denn vor allem die autobiographischen Passagen seines Buches lassen immer wieder die Frage aufkommen, wie denn ein so sehr aufs Melodrama gestimmter, dem Spiegelbild der eigenen Seele verhafteter Mensch den zumeist knochentrockenen, autoritätsbewußten Juristen imponieren kann, die über seine – Bossis – Klientel zu befinden haben.

Dafür nun ein paar durchaus nicht böswillig ausgewählte Beispiele: Bossi über Bossi: „Ich kenne meine Grenzen, aber ich mißachte sie schrankenlos. Ich fange neu an, wenn ich Schluß machen muß. Ich fahre mein Auto unterwegs zum Gericht zu Schrott, und ich nehme mir einen Leihwagen, damit ich pünktlich erscheine. Ich schlafe dann, wenn es Fall und Mandant mir erlauben.“ Oder: „Diese Gewissenserforschung (nach einem erfolgreichen Auftritt) machte mir jedenfalls eine Erkenntnis bewußt, die für meine Berufsauffassung bestimmend wurde: ohne Furcht vor Folgen für meine innerste Überzeugung von der Wahrheit eines Falles einzutreten.“