Die Schwerpunkte strafbarer Geschäftspraktiken

Von Wolfgang Hoff mann

Eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts in Freiburg brachte es ans Licht: Ausgerechnet im deutschen Musterländle Baden-Württemberg treiben die meisten Wirtschaftskriminellen ihr Unwesen. Gleich dahinter rangiert Nordrhein-Westfalen, wo ebenfalls überdurchschnittlich viele Täter im weißen Kragen ihr Unwesen treiben.

Daß die industriereichen Länder Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (NRW) so schlecht abschneiden, liegt daran, daß dort je Ermittlungsverfahren besonders viele in sich abgeschlossene Einzelstraftaten registriert wurden. In Baden-Württemberg kamen auf ein Verfahren 31, in NRW 28 Straftaten. Berlin und das Saarland liegen, tief unter dem Durchschnitt – dort hatte es der Staatsanwalt 1974 pro Verfahren nur mit jeweils drei Einzeltaten zu tun. Genau auf der Linie des Bundesdurchschnitts liegt die Zahl der Wirtschaftsstraftaten in den Hansestädten Bremen und Hamburg.

Freilich besagt dies allein sehr wenig über die Bedeutung der Wirtschaftskriminalität in den einzelnen Regionen. Weit aufschlußreicher ist die Höhe des angerichteten Schadens – und da liegen die Hanseaten vorn. Während in Nordrhein-Westfalen die durchschnittliche Schadenshöhe je Ermittlungsverfahren 0,6 Millionen Mark beträgt, geht es bei den Ermittlungsverfahren in Hamburg im Durchschnitt um Schäden in Höhe von 7,6 Millionen Mark. Die Hamburger Wirtschaftsstruktur, die längst nicht so breit gefächert ist wie in Nordrhein-Westfalen, ist ein Nährboden für größere Schäden: Auf kleinem Raum wird viel Geld umgesetzt.

Besonders anfällige Firmen

Die Untersuchung des Max-Planck-Instituts stützt sich auf Material, das von 62 der insgesamt 93 Staatsanwaltschaften in der Bundesrepublik bereitgestellt wurde. 2893 Ermittlungsverfahren mit 5065 Beschuldigten wurden dafür unter die wissenschaftliche Lupe genommen. Dabei kamen 51 165 in sich abgeschlossene Strafdelikte ans Tageslicht. Sinn der von der Justiz-Ministerkonferenz der Länder angeregten Untersuchung war es, Grundlagenmaterial für die Reform des Wirtschaftsrechts bereitzustellen. Noch in dieser Legislaturperiode könnten einige Teile der in mehreren Schritten geplanten Reform in Kraft treten. Im Strafrechtsausschuß des Bundestags befindet sich die Reform der Gesetze für Konkursdelikte, Subventionsverbrechen und Kreditbetrügereien kurz vor dem Abschluß.