Die Idee kommt aus den Niederlanden. Als Willem Sandberg Mitte der sechziger Jahre das Stedelijk-Museum in Amsterdam als Direktor verließ, um nach Israel zu gehen, entschlossen sich die Künstler zu einer ungewöhnlichen Demonstration. Sie hatten Sandbergs unkonventioneller Methode beim Aufbau der Sammlung viel zu verdanken, und so überließen sie dem Stedelijk-Museum großzügig Arbeiten (die freilich zum Teil schon als Leihgaben der Künstler zum festen Bestand der Sammlung gehörten): ein Geschenk zu Ehren Willem Sandbergs.

Als Werner Haftmann im Herbst 1974 die Neue Nationalgalerie in Berlin als Direktor verließ, erinnerten sich Freunde und Mitarbeiter des Hauses an das niederländische Beispiel. Man hatte ja gesehen, wie ein Direktor noch nach seiner offiziellen Tätigkeit und gerade durch seinen Abgang für „sein Haus“ Gutes wirken kann. Die Analogie lag nahe, denn natürlich gibt es auch viele Künstler (und Galeristen), die Werner Haftmann viel zu verdanken haben, seinen Büchern, seinen Vorworten, seinen Ausstellungen und schließlich seiner Ankaufspolitik als Direktor der Nationalgalerie. Zu seinen Ehren und zum Nutzen des Hauses setzte man darum von Seiten der Nationalgalerie eine Kampagne ins Werk, die Gelegenheit bot, Dankbarkeit und Freundschaft auch materiell zu dokumentieren.

Vierundvierzig Spender – Künstler, Künstler-Witwen und Galeristen – haben sich beteiligt, unter ihnen viel internationale Prominenz, André Massen etwa und Marino Marini, Renato Guttuso, Naum Gabo, Castillo, Soulages, Bernard und Ursula Schultze, Sonderborg und Vedova. Die Sammlung, die jetzt unter dem Titel „Freunde danken Werner Haftmann“ vorgestellt wurde, spiegelt die persönlichen Vorlieben des Adressaten, seine Freundschaften, auch seine Einseitigkeit, und sie hat in ihrem subjektiven Charakter den Reiz einer Privatsammlung.

So sind die dankbaren Bildhauer in dieser Sammlung besonders gut vertreten: Bodini (mit der großartigen Bronze „Bildnis eines Industriellen“), Henry Moore (mit einem „Kopf“ von 1975), Paolozzi, George Rickey und Luginbühl, Armitage (mit einem geistreich unplastischen Aluminiumguß „Einzelfigur mit Zeichnung“, der aber erst als Photo präsent ist). Die etwas chaotisch wirkende Auswahl von Berliner Künstlern, denen die Ehre des Schenkens zuteil wurde (mit Manfred Bluth, Gerd van Dülmen, Klaus Fußmann, Max Kaminski, Henning Kürschner, Marwan) läßt sich allerdings nicht allein aus Haftmanns künstlerischen Neigungen und kunstpolitischen Abneigungen erklären, viel eher durch den Zufall gemeinsamer Berliner Kneipen. Doch offenbar steckt noch in diesem Zufall die tiefere Bedeutung. Im etwas albernen Katalog – mit 28 Abbildungen des Gefeierten wird der Personenkult ein bißchen weit getrieben – erwähnen die Künstler am häufigsten eine von Haftmanns unbestreitbaren Qualitäten: seine Trinkfestigkeit.

Der Wert der „Donation Haftmann“ wird auf anderthalb bis zwei Millionen Mark geschätzt, wahrlich ein großzügiges Geschenk der Künstler an die Nationalgalerie, die sich, wie man hört, sehr viel spontaner engagiert haben als die Galeristen. Der gern zitierte Steuerzahler mag sich freuen. Und dennoch sollte das Beispiel nicht Schule machen, aus zwei Gründen. Erstens fragt es sich, ob die Großzügigkeit des Schenkens nicht gelegentlich mit qualitativen Maßstäben kollidiert. Wenn sich solche Probleme auch durch die weise Museumseinrichtung eines Magazins erledigen lassen, bleibt die zweite, die dringlichere Frage: Wovon sollen eigentlich die Künstler leben, wenn die Institutionen, die ihre Arbeiten kaufen sollten, es zur Regel machten, bei passender Gelegenheit zum Schenken aufzufordern?