Von Heinz-Günter Kemmer

Das Pensionärsdasein des früheren nordrhein-westfälischen Finanzministers Hans Wertz neigt sich offenbar seinem Ende zu. Nach vielen Irrungen und Winningen hat Ministerpräsident Heinz Kühn die Weichen so gestellt, daß Wertz gute Aussichten hat, Präsident der Landeszentralbank in Nordrhein-Westfalen zu werden.

Er würde damit Nachfolger des aus Altersgründen ausscheidenden langjährigen Präsidenten Ernst Fessler in der Chefetage des schwarzen Granitgebäudes an Düsseldorfs Berliner Allee. Ein ehrbares Amt – für Wertz aber nur die zweite Wahl.

Ehe Heinz Kühn in hartem Ringen mit der Bundesbank und den Regierungsfraktionen im Düsseldorfer Landtag – SPD und FDP – seinen Exminister auf den Schild hob strebte dieser nach einem Vorstandsamt bei der Westdeutschen Landesbank (West LB). Im Februar vergangenen Jahres, mitten im Landtagswahlkampf, wollte Wertz aus der Regierung aussteigen und Vorstandsmitglied der West LB werden.

Hindernisse schien es nicht zu geben. Der Vorstand unter dem Vorsitz von Ludwig Poullain begrüßte zumindest nach außen die Kandidatur. Ihm blieb kaum anderes übrig, war Wertz doch der eigentliche „Großaktionär“ des Instituts. Immerhin hält das Land Nordrhein-Westfalen ein Drittel des Kapitals der West LB, ein weiteres Drittel liegt bei den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen – Kostgängern des Landes, die Wertz am „goldenen Zügel“ führte.

Aber Wertz hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Er hatte gegen den politischen Koment verstoßen, den die Sozialdemokraten besonders ernst nehmen. Seinen Genossen kam das Aussteigen in der Wahlkampfzeit wie Fahnenflucht vor. Und es machte in der Tat keinen guten Eindruck, daß einer der profiliertesten Landesminister vor einer auch für die Bundespolitik entscheidenden – und für die SPD keineswegs leichten – Wahl den Abschied nehmen wollte.

So wurde Wertz „auf der Flucht erschossen“. Den entscheidenden Schuß gab der Verwaltungsrat der West LB ab, der die Wahl mehrerer Vorstandsmitglieder überraschend verschob. Die Begründung war mehr als fadenscheinig: Im Landtag stand noch die Verabschiedung eines Gesetzes aus, das den Arbeitnehmern ein Drittel der Sitze im Verwaltungsrat bescheren sollte. Deshalb – so der alte Rat – wolle man noch keine vollendeten Tatsachen schaffen sondern die wichtigen Entscheidungen dem Gremium vorbehalten, das dann auf Basis der neuen gesetzlichen Bestimmungen gebildet werde.