Der Kampf hat zwanzig Jahre gedauert. Mit einem Bescheid des hessischen Verkehrsministers Karry ist er jetzt beendet worden: Die gefürchtete Rheinuferstraße, die das Rheinufer völlig verschandelt hätte, wird in Eltville nicht gebaut.

Mit dem Karry-Entscheid ist der ältesten Bürgerinitiative Deutschlands, die sich schlicht „Verein zum Schutze der Eltville-Wallufer Rheinuferlandschaft e. V.“ nannte, große Genugtuung widerfahren. Dieser Verein hat in all den Jahren, ohne müde zu werden oder zu resignieren, jeden nur in Frage kommenden Mitstreiter mobilisiert: Ob den französischen Staatspräsidenten oder unseren Tierschützer Grzimek, ob internationale Stadtplaner oder die deutsche Fußgänger Liga, sie alle wurden von Erich Kapitzke, dem Motor des Vereins, immer wieder gemahnt, bedrängt, provoziert, Stellung zu beziehen. Und sie bezogen Stellung, gegen Leber, Rudi Arnct, Osswald, wie immer die lange Reihe der Verantwortlichen hieß, die sich nicht traute, den Plan Rheinuferstraße abzublasen.

Es ist müßig und dient der Sache wenig, die alten Streitpunkte wieder hervorzuholen. „Begraben wir den Ärger mit den vielfach schändlichen Winkelzügen, die es im Auf und Ab der Kämpfe gegeben hat“, schreibt Karl Korn in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der sich über die Jahre als treuer Rheingauer ebenfalls dafür einsetzte, „eines der kostbarsten Ensembles von Geschichte, Architektur, Park und Stromuferlandschaft“ zu erhalten.

Recht hat Karl Korn, begraben wir den Streit, obwohl es einen reizen könnte und einer politologischen Fallstudie wert wäre, den Weg nachzuzeichnen, den bürokratische Unvernunft jahrelang einschlagen durfte.

Für die Umweltschützer bleibt das Eltviller Lehrstück dennoch nicht ohne beispielhafte Wirkung. Vernünftige Lösungen haben, auch wenn es manchmal hoffnungslos erscheint, eine gute Chance, sich am Ende durchzusetzen. v. K.