Zweibrücken

Durch eine ungewöhnliche Methode“, so schrieb vor Jahren ein Wochenmagazin, „hat ein pfälzischer Kriminalist vermutlich eine Serie von Kindermoden aufgeklärt.“ Doch die „ungewöhnliche Methode“ hielt einer gerichtlichen Nachprüfung nicht stand. Dabei hatte der frühere Pirmasenser Kripochef Ernst Fischer im Zweibrücker Mordprozeß sein „Verfahren“ als „so sicher wie einen Fingerabdruck“ bezeichnet.

In mühevoller Kleinarbeit hatte sich Fischer 1973 mit 15 Mitarbeitern darangemacht, doch noch die Vermißtenschicksale von drei Kindern im Alter von acht bis zehn Jahren zu klären. Die Kinder, erst zwei Jungen, dann ein Mädchen, waren immer am Freitagnachmittag in den Jahren 1960, 1964 und 1967 spurlos aus Pirmasens verschwunden. Suchaktionen und spätere Routineüberprüfungen hatten keine Hinweise erbracht.

Fischers Team ermittelte nach zwei Seiten: entweder hatten Menschenhändler die Kinder entführt oder aber die Kinder wurden umgebracht. Für die Menschenhändlertheorie ergaben sich keine Anhaltspunkte. Um so mehr stürzte man sich auf die Mordtheorie:

Das Fischer-Team fügte ermittelte und angenommene Tätermerkmale zu einem Phantom-Bild eines unbekannten Täters zusammen: fixiert auf Kinder; unauffällige Erscheinung im Stadtbild; unauffällige Tatausführung; Intelligenz, um Opfer unauffällig und spurlos beseitigen zu können; Verhalten vor der Tat; Verhalten nach der Tat; kein Alibi für die drei Taten.

An Hand dieser und weiterer Daten überprüfte man einschlägig bekannte Täter aus dem Bundesgebiet, Soldaten, Gastarbeiter, die Meldezettel der Hotels, die Sterberegister und alle männlichen Einwohner von Pirmasens. Arbeitsämter, Krankenkassen, Pfarrer und die Staatsanwaltschaft lieferten vertrauliche Hinweise.

Man hatte „den Täter“ bald gefunden; oder wie Fischer jetzt vor Gericht sagte: „Er ist als einziger hängengeblieben in diesem Netz.“: Günter J.