Wie die international führenden Opernhäuser ihre Solisten-Etats schonen wollen

Rolf Mares, Operndirektor in Hamburg, ist „da ganz sicher“: „Noch in diesem Jahr werden wir uns einigen.“ Der Grund für seine Zuversicht: Auf ihrem jüngsten Treffen in Hamburg Mitte des Monats beschlossen die Intendanten der international führenden Opernhäuser, „frühzeitig Tendenzen entgegenzuwirken, die die Etats in einem nicht mehr zu vertretenden Maß überlasten würden“.

Im Klartext heißt das: Die Opernchefs von New York, Chikago, San Franzisko, Berlin, München, Hamburg, Zürich, Wien, Mailand, London, Brüssel und Stockholm wollen sich auf einheitliche Gagen für die 30 bis 35 Weltbesten Opernstars einigen, die bisher bei ihren Geldforderungen ein Haus gegen das andere auszuspielen vermochten und sich so pro Abend zwischen 6000 und 20 000 Mark ersingen.

An ernsthaften Beteuerungen, die Gagen der singenden Großverdiener unter Kontrolle zu bekommen, hat es in den vergangenen Jahren nicht gefehlt. Doch wenn Tenöre wie Placido Domingo oder Nicolai Gedda und Sopranistinnen wie Birgit Nilsson oder Joan Sutherland mehr verlangten, als die operninterne Kalkulation eigentlich vorsah, dann gaben die Stimmenkäufer oft genug klein bei. Die Intendanten wußten ihre Geldgeber von „unabwendbaren künstlerischen Erfordernissen“ zu überzeugen. Denn diese wollten sich, zumal es bei der Operfinanzierung meist ja nur um Steuergelder geht, nicht der kleinlichen Pfennigfuchserei zeihen lassen.

Doch spätestens seit Beginn der weltweiten Konjunkturflaute vor zwei Jahren sind auch an den Opern die Zeiten großzügig gewährter Subventionen vorbei: Die Stadtkämmerer froren die Zuschüsse ein, und die Finanzmanager der Opernhäuser wurden zur Sparsamkeit angehalten.

Indes, bei Orchestermusikern, Chorsängern, Tänzern, beim Verwaltungs- und technischen Personal gibt es wenig einzusparen. Sie genießen nämlich als öffentliche Bedienstete besonderen Kündigungsschutz und bekommen zudem regelmäßig tarifliche Gehaltserhöhungen. Der jüngste Abschluß im öffentlichen Dienst – fünf Prozent mehr pro Monat, mindestens jedoch 85 Mark – bedeutet beispielsweise für die Hamburgische Staatsoper mit ihrem Personaletat von bisher vierzig Millionen Mark einen Mehraufwand von etwa zwei Millionen.

Als „letzte bewegliche Masse“ bleibt nach Meinung von Rolf Mares, dem Hauptinitiator der „Aktion Gagenstopp“, nur der Etat für die Sänger übrig. Sie kosten in Hamburg in der laufenden Spielzeit 7,2 Millionen Mark, 18 Prozent des Personalaufwands.