Das BBC-Fernsehen verdeutlichte den Stand der Diskussion an zwei Extremen. Beispiel 1: Ein headmaster setzt die Trillerpfeife an die schmalen Lippen und laßt seine Zöglinge auf dem Schulhof Gleichschritt üben, als gelte es, den Nachwuchs für die königlichen Garden auszubilden. Beispiel 2: In einem fröhlichbunten Klassenzimmer kriechen Schüler und Lehrer schnatternd durcheinander und widmen sich vermittels farbiger Klötze zwanglos den Grundbegriffen der Geometrie. Abc-Schützen-Drill und Spielwiesen-Atmosphäre – beides nicht die Norm, wohl aber Bestandteil der britischen Grundschulwirklichkeit – erregen wieder einmal die Gemüter im Inselreich.

Schon seit in den sechziger Jahren die Vorherrschaft von Disziplin und Leistungsdruck in den primary schools durch Unterrichtsmethoden angefochten wurde, die auf Kreativität und freie Entfaltung der Schülerpersönlichkeit setzten, liegen Erzieher, Eltern und Politiker in erbitterter Fehde darüber, was den Kindern am besten bekommt: dem Lehrer das erste und möglichst auch das letzte Wort zu lassen oder die strenge Pädagogenkontrolle durch Eigeninitiative und Lockerung des Leistungsanspruchs aufzuweichen.

Selbstverständlich (warum sollte das in Großbritannien anders sein als in Deutschland?) wurde diese Diskussion auch ideologisch überhöht, und wo die einen über seelenlose Lernfabriken zürnten, lamentierten die anderen über drohende schulische Anarchie.

Die gegensätzlichen Auffassungen wurden mit den Etiketten „Traditionalisten“ und „Progressive“ gekennzeichnet oder – im englischen Original – mit „formal“ und „informal“; beide reklamierten für sich, das erzieherische Heil könne nur von ihrer Methode kommen.

Was lag da näher, als die Probe aufs Exempel zu machen? Neville Bennett, Bildungsforscher an der Universität Lancaster, hat sie gemacht, und das Ergebnis, das er jetzt in Buchform („Teaching Styles and Pupil Progress“, Verlag Open Books) vorgelegt hat, wirkte wie ein Sprengsatz: Der Streit zwischen (traditionellen) Formalisten und (progressiven) Informalisten entbrannte aufs neue – jetzt allerdings erstmals auf der Basis konkreter Fakten.

Der Kernsatz aus der Untersuchung lautet: „Schüler, die konventionell und streng methodisch (who are taught formally) erzogen werden, zeigen größere Fortschritte in den Grundfächern, sind nicht schlechter im Schreiben von Aufsätzen und neigen weniger zu grammatischen Fehlern.“

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