• Herr Oehler, der Chef des Bundesverbandes der Selbstbedienungs-Warenhäuser, Erich Wolf, hat die bewegte Klage Ihres Verbandes über den angeblich ruinösen Wettbewerb der Großen gegen die Kleinen im Einzelhandel zurückgewiesen. Zudem meint er, der Einzelhandel sei selbst schuld, wenn es ihm schlecht gehe. Was sagen Sie dazu?

Oehler: Unsere Kritik, auf die Erich Wolf so überaus nervös reagierte, hat offensichtlich ins Schwarze getroffen. Aber die von uns bekanntgegebenen Beispiele über Auswüchse im Wettbewerb, auf die sich Erich Wolf offensichtlich beruft, waren nicht an die Adresse der SB-Warenhäuser gerichtet, sondern hatten nachweislich allgemeinen Charakter. Allerdings gehört auf brutale Methoden im Wettbewerb der grobe Keil der Aussage. Im übrigen haben wir kein Klagelied über unsere wirtschaftliche Situation angestimmt, sondern 1975 als „noch relativ zufriedenstellend“ bezeichnet.

  • Sie haben von „Piraten des Wettbewerbs“ und vom „Freistilringen am Markt“ gesprochen.

Oehler: Zwei Beispiele dafür, daß diese harten Formulierungen gerechtfertigt sind: Einem leitenden Vertreter eines renommierten Herstellerunternehmens wird von dem Vertreter eines großen Einzelhandelsunternehmens vor Beginn eines Gesprächs bedeutet, daß – bevor über Konditionen gesprochen wird – ein „Eintrittsgeld“ in Höhe von 75 000 Mark zu entrichten sei. In einem anderen Fall hat ein großer Einzelhändler Markenartikel weit unter dem Einstandspreis verschleudert. Dem Hersteller wurde bedeutet, daß die Preisschleuderei in dem Augenblick abgebrochen würde, wenn er 25 000 Mark auf den Tisch legen würde. Diese Fälle verdienen das zweifelhafte Prädikat „Piraten des Wettbewerbs“.

  • Mag sein. Doch ist es nicht ganz normal, daß die Verbraucher bei dem Einzelhändler kaufen, der am billigsten ist?

Oehler: Es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn der Verbraucher preiskritisch einkauft. Im Gegenteil. Die vom Verbraucher vorgenommene Abstimmung über Preise ist gleichzeitig eine Abstimmung über die richtige Wahl der Sortimente. Ein Einzelhandelsunternehmer ist flexibel genug, entsprechend zu reagieren.

  • Also liegt es doch an der Initiative des Einzelhändlers. Wer Ideen hat, der hat auch ein volles Haus.