Der amerikanische Außenminister Kissinger ist „sehr zufrieden“ mit seiner neuntägigen Reise durch sechs schwarzafrikanische Länder. In der Tat scheint das Kissinger-Charisma auch in Afrika seine Wirkung nicht verfehlt zu haben.

Zwar entschloß sich nach Nigeria, das den Besuch kurzfristig vor Kissingers Abreise aus Washington absagte, auch Ghana, den Amerikaner einen Tag vor seiner geplanten Ankunft wieder auszuladen, zwar waren die Kommentare der afrikanischen Presse vor dem Eintreffen des Außenministers kühl und betont reserviert, doch hat sich das Bild gewandelt.

Sicherlich hat die Blitz-Tour nicht den Einfluß von Sowjets und Kubanern aus der Welt schaffen können und vermutlich werden sich die radikalen Befreiungsorganisationen eher denen zuwenden, die ihnen Waffen versprechen, als jenen, die Verhandlungen predigen. Dennoch ist in den gemäßigten schwarzafrikanischen Staaten, die von Kissinger besonders angesprochen wurden und denen daran gelegen ist, ein sowjetisch-kubanisches Engagement in den noch verbliebenen weißen Staaten im südlichen Afrika zu verhindern, – begrüßt worden, daß es jetzt erstmals eine amerikanische Afrika-Politik geben soll und daß die USA gewillt sind, die schwarzen Mehrheiten bei ihrem Befreiungskampf, wenn auch nicht militärisch, zu unterstützten.

Allerdings wartet Afrika jetzt darauf, welche Taten den Worten von Lusaka folgen werden. In der sambischen Hauptstadt war Kissinger für Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Rassengerechtigkeit für alle Völker im südlichen Afrika eingetreten. Für Rhodesien forderte er eine Mehrheitsregierung innerhalb von zwei Jahren und zwar durch eine rasche (früher hieß es: friedliche) Verhandlungsregelung. Südafrika rief er auf, einen festen Zeitplan für die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechtes Namibias bekanntzugeben. An die Regierung in Pretoria appellierte er, die institutionalisierte Rassentrennung in Südafrika „innerhalb einer angemessenen Zeit“ zu beenden.

In allen Hauptstädten, die er besuchte, erklärte Kissinger überdies, das südliche Afrika werde ein Blutbad erleben, wenn Schwarz und Weiß nicht einen friedlichen Übergang zu schwarzen Mehrheitsregierungen aushandelten. Schließlich regte Kissinger die Schaffung eines 7,5-Milliarden-Dollar-Fonds für die vom Hunger Heim gesuchten Sahel-Gebiete an.

Abgestimmt mit der amerikanischen Afrika-Politik sind offensichtlich die neuesten Schritte der Bundesregierung. So wies Außenminister Genscher Südafrika auf seine große Verantwortung in dem Konfliktgebiet hin. Auffallend ähnlich war auch der Tenor der deutschen Auffassungen denen Kissingen, die der tansanische Staatspräsident Nyerere während seines dreitägigen Staatsbesuchs in der Bundesrepublik zu hören bekam.